Ein Passant geht an einem geschlossenen Geschäft vorbei und trägt einen Schirm mit der britischen Flagge. | dpa

Stärkster Einbruch seit 1709? Britische Wirtschaft stürzt ab

Stand: 12.02.2021 14:37 Uhr

Die britische Wirtschaft wird 2020 durch die Corona-Pandemie viel härter getroffen als die Eurozone oder Deutschland. Auch der aktuelle Lockdown wird spürbare Folgen haben.

Die britische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 9,9 Prozent geschrumpft, wie das nationale Statistikamt berichtet. So stark schrumpfte das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Historische Daten der Bank von England deuten sogar darauf hin, dass es das größte Minus seit 1709 war, als Großbritannien unter dem "Großen Frost" litt, einem außergewöhnlich kalten Winter, der als der kälteste der vergangenen 500 Jahre gilt. Allerdings ist zumindest fraglich, inwieweit die Wirtschaftsdaten, die noch von der Zeit vor der Industriellen Revolution stammen, verlässlich und vergleichbar sind.

"Schwerer Schock"

"Die heutigen Zahlen zeigen, dass die Wirtschaft durch die Pandemie einen schweren Schock erlitten hat, den Länder auf der ganzen Welt gespürt haben", sagte Finanzminister Rishi Sunak. Das Nationale Statistikamt teilt dazu mit, dass Ereignisse wie Brexit und die Pandemie im vergangenen Jahr zu einer beispiellosen Volatilität der Unternehmensinvestitionen geführt hätten.

Der Schock kam bei den Ländern in unterschiedlicher Stärke an. Die deutsche Wirtschaft büßte mit fünf Prozent etwa die Hälfte ein, das BIP im gesamten Euroraum fiel 2020 um 6,8 Prozent. Die US-Wirtschaft schrumpfte um 3,5 Prozent und damit zwar ebenfalls so stark wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, aber verglichen mit Großbritannien lief die Konjunktur deutlich besser.  

Und wieder Lockdown  

Im vierten Quartal gab es eine Verbesserung, dennoch sind die aktuellen Hoffnungen auf eine nachhaltige Erholung zumindest gedämpft. Zum Jahresende hin wuchs das britische BIP um ein Prozent, Ökonomen hatten lediglich mit einem Wachstum von 0,5 Prozent gerechnet.

Die laufenden Lockdown-Einschränkungen werden aber eine schnelle Wende verhindern: "Es gibt zwar einige positive Anzeichen für die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft über den Winter", sagte Finanzminister Sunak. "Aber wir wissen, dass der aktuelle Lockdown weiter erhebliche Auswirkungen auf viele Menschen und Unternehmen hat."  

Im Frühjahr könnte es besser werden

So sehen das auch die Fachleute der UBS, die damit rechnen, dass die Wirtschaft im laufenden Quartal bereits wieder auf Schrumpfkurs sein könnte. Die Produktionsdaten der Industrie des Monats Dezember legten beispielsweise nur sehr leicht zu. Die Gesamtherstellung lag nur um 0,2 Prozent höher als im November. Im gesamten vierten Quartal übertraf die Herstellung das Vorquartal um 1,8 Prozent.

Kallum Pickering, Senior Economist bei der Berenberg Bank, erwartet erst später im Jahr eine Aufhellung der Konjunktur: Fortschritte bei der Bereitstellung von Impfstoffen, aggressive Unterstützung durch die Politik, eine Klarheit bei den Folgen des Brexit und starker Rückenwind von der sich erholenden Weltwirtschaft würden die Bühne bereiten für eine schnelle Aufholjagd ab dem Frühjahr.    

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Februar 2021 um 16:00 Uhr.