Eine Frau steht an einer Gemüseauslage im Supermarkt | dpa

Folge des Ukraine-Kriegs Handel rechnet mit Preiserhöhungen

Stand: 01.04.2022 13:40 Uhr

Laut der Handelsbranche muss sich Deutschland wegen des Ukraine-Kriegs auf weitere Preiserhöhungen für Lebensmittel einstellen. Die aktuelle Welle der Preissteigerungen sei jedoch bei den Verbrauchern noch gar nicht angekommen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet wegen des Ukraine-Kriegs mit einer zweiten Welle deutlicher Preiserhöhungen. Schon vor dem Kriegsausbruch seien die Preise als Folge gestiegener Energiepreise "über die Produktpalette hinweg" um gut fünf Prozent gestiegen, sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zweistellige Steigerung erwartet

Dies sei Folge der gestiegenen Energiekosten gewesen. Nun kämen die Folgen des Ukraine-Kriegs noch hinzu. "Die zweite Welle an Preissteigerungen kommt, und die wird sicherlich zweistellig", warnte Sanktjohanser. Erste Handelsketten haben laut dem HDE-Chef bereits damit begonnen, Preise anzuheben.

"Wir werden das zeitnah überall in den Supermärkten an den Preisschildern sehen können", sagte Sanktjohanser. Es werde "erst einmal keine anhaltende Abwärtsbewegung mehr bei den Preisen" geben. Kürzlich hatten bereits Handelsketten wie Aldi, Edeka, REWE/Penny und Globus Preiserhöhungen angekündigt.

Aldi: Sprünge bei den Einkaufspreisen

Bei Aldi sollen die erneuten Preiserhöhungen schon ab Montag zu spüren sein. Fleisch, Wurst und Butter werden dann "deutlich teurer", wie Aldi-Nord-Kommunikationschef Florian Scholbeck der Nachrichtenagentur dpa in Essen sagte. Grund hierfür seien höhere Preise, die Aldi seinen Lieferanten zahlen müsse.

"Seit Beginn des Ukraine-Krieges gibt es Sprünge bei den Einkaufspreisen, die wir so noch nicht erlebt haben." Dies liege auch daran, dass sich Futter- und Düngemittel sowie Energie verteuert hätten. Das wiederum bekämen die Landwirte bei ihrer Viehhaltung und die fleischverarbeitende Industrie zu spüren.

Auch REWE beklagt "hohen Kostendruck"

Die Kette REWE teilte auf Anfrage mit, sie sei aktuell mit einer "Vielzahl von steigenden Kosten bei Rohstoffen, Energie und Logistik sowie Preiserhöhungen der Lebensmittelindustrie und Lieferanten konfrontiert". Dies führe "zwangsläufig dazu, dass wir bei einzelnen Warengruppen und Artikeln die Verkaufspreise erhöhen müssen."

Der REWE-Sprecher betonte, dass man nur dort die Verkaufspreise anheben werde, wo es tatsächlich einen "hohen Kostendruck" gebe. "Erhöhte Preisforderungen von Herstellern und Lieferanten, die nicht durch gestiegene Kosten begründet sind, werden wir auch weiterhin nicht akzeptieren", versprach er. "Denn wir sehen es auch als unsere Aufgabe als Händler an, steigende Preise im Sinne unserer Kunden einzudämmen."

Deutschland ist gesichert

In Deutschland müsse sich aber niemand sorgen, Hunger leiden zu müssen, betonte der Handelspräsident. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte der "NOZ", die Versorgung mit Lebensmitteln sei absehbar für ein Jahr gesichert. "Aber über diesen Zeithorizont hinaus ist es schwierig mit einer Prognose." 

Die Spitzenverbände von Handel und Agrarbranche tauschen sich im Rahmen der Zentralen Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL) über Folgen des Ukraine-Krieges wie etwa fehlendes Gentechnik-freies Futter für Kühe, aber auch Kostensteigerungen bei der Lebensmittelerzeugung aus. ZKHL-Geschäftsführer Hermann-Josef Nienhoff sagte der "NOZ", die aktuelle Welle der Preissteigerungen sei bei den Verbrauchern noch nicht angekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. April 2022 um 08:00 Uhr.