Robert Habeck | dpa

Jahreswirtschaftsbericht Habeck erwartet "schwierige Aufholphase"

Stand: 26.01.2022 13:54 Uhr

Die Bundesregierung geht in ihrem neuen Jahreswirtschaftsbericht von einem schwachen wirtschaftlichen Start ins neue Jahr aus. Wirtschaftsminister Habeck erwartet für 2022 eine Teuerungsrate von 3,3 Prozent.

Die konjunkturelle Erholung von der Coronavirus-Krise wird in diesem Jahr schwächer als erwartet ausfallen und mit einer stärkeren Inflation einhergehen.

Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesregierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2022, der am Vormtitag im Kabinett beschlossen wurde und den Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck am Nachmittag vorstellt. Der Grünen-Politiker sprach von einer "schwierigen wirtschaftlichen Aufholphase".

Regierung senkt Wachstumsprognose

Für 2022 erwartet die Regierung demnach ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,6 Prozent. Die Vorgängerregierung war im Herbst von 4,1 Prozent ausgegangen. Mit dem erwarteten Plus werde "die Wirtschaftsleistung erstmals wieder über dem Vorkrisenniveau liegen", erläuterte Habecks Ministerium.

Im vergangenen Jahr war das BIP um 2,7 Prozent gewachsen, im ersten Corona-Jahr 2020 hatte es einen deutlichen Einbruch um 4,6 Prozent gegeben.

Verbraucherpreise werden weiter steigen

Auf eine rasche Entspannung können die Menschen in Deutschland nicht hoffen - die Inflation ist auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren geklettert. Insgesamt wird damit gerechnet, dass der Anstieg des Verbraucherpreisniveaus in diesem Jahr mit jahresdurchschnittlich 3,3 Prozent abermals deutlich ausfällt", heißt es im Bericht.

Im Schnitt des vergangenen Jahres erhöhten sich die Verbraucherpreise um 3,1 Prozent. Vor allem höhere Energiekosten heizen die Inflation an.

Weiter Lieferengpässe bei Halbleitern

Ein zentraler preistreibender Faktor in diesem Jahr bleiben laut Bericht Lieferengpässe etwa bei Halbleitern. Hier sei erst im Jahresverlauf 2022 wieder mit einer allmählichen Entspannung zu rechnen. Bis dahin dürften die Unternehmen die Preise merklich erhöhen.

"Mit zunehmender Impfquote sollte es gelingen, das Pandemiegeschehen bald nachhaltig einzudämmen und die Krisenhilfen zurückzufahren", so Habeck. "Dann wird sich auch die wirtschaftliche Erholung zusehends beschleunigen."

Weniger Arbeitslose erwartet

Die Perspektiven für den Arbeitsmarkt nannte Habeck "ganz gut". Bei der Zahl der Erwerbstätigen wird im Jahresdurchschnitt mit einem Anstieg von 425.000 gerechnet, die Arbeitslosenquote dürfte dem Jahreswirtschaftsbericht zufolge 2022 um 0,6 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent weiter zurückgehen.

Habeck kündigte zudem an, dass in diesem Jahr damit begonnen werden solle, die soziale Marktwirtschaft "schrittweise im Sinne einer Sozial-ökologischen Marktwirtschaft" weiterzuentwickeln.

Den Umbau Deutschlands in Richtung Klimaneutralität nannte er "eine Jahrhundertaufgabe, aber auch eine große Chance". Energie müsse bezahlbar bleiben und Klimaschutz sozial abgefedert werden. Hierfür werde die Finanzierung über die sogenannte EEG-Umlage - also den Strompreis-Aufschlag für den Ökostrom-Ausbau - spätestens 2023 abgeschafft. Es würden dann Mittel aus Klimafonds herangezogen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 26. Januar 2022 um 09:32 Uhr.