Bauarbeiten am zukünftigen Importterminal für Flüssigerdgas (LNG) in Wilhelmshaven. | dpa

Neues Terminal geplant Bis zu fünf Milliarden Kubikmeter LNG

Stand: 01.09.2022 16:29 Uhr

Das von der Bundesregierung angemietete Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven soll eine Kapazität von bis zu fünf Milliarden Kubikmeter Gas haben. Es soll Ende 2023 in Betrieb gehen und auch grünen Wasserstoff verarbeiten können.

Deutschland soll ein fünftes gemietetes Terminal zur Anlandung von Flüssiggas (LNG) mit Standort in Wilhelmshaven bekommen. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Das Spezialschiff soll im übernächsten Winter, also 2023/2024, die Arbeit aufnehmen.

Die schwimmenden Terminals sind im Prinzip Flüssiggastanker, die den Brennstoff aber selbst wieder in den Gas-Zustand zurück versetzen können. Damit wird kein kompletter Hafen, sondern in erster Linie neben dem Schiff nur eine Verbindung zur Pipeline an Land benötigt.

LNG wird mit minus 162 Grad tiefgekühlt, flüssig per Schiff transportiert, angelandet, erwärmt, regasifiziert und dann in die Netze eingegeben. "Mit dem Import von Flüssigerdgas machen wir uns unabhängiger von Importen russischen Pipelinegases", sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck.

Fünf Milliarden Kubikmeter pro Jahr

Das schwimmende Flüssiggasterminal hat laut Ministerium eine Kapazität von mindestens fünf Milliarden Kubikmeter pro Jahr und soll im vierten Quartal des kommenden Jahres in Betrieb gehen, also zwischen Oktober und Dezember. Der Eigentümer, das Unternehmen Excelerate, soll das Schiff demnach gemeinsam mit einem Konsortium aus Tree Energy Solutions, Eon Green Gas und Engie betreiben.

Es werde zwar für fünf Jahre gechartert, aber nur so lange betrieben werden, bis das Wasserstoffterminal an den Start gehe, sagte Habeck. Dies solle nach Angaben des Konsortiums voraussichtlich im Laufe des Jahres 2025 der Fall sein, erklärte sein Ministerium.

Auch grüner Wasserstoff

Darüber hinaus gehe es auch um die Anlandung von "grünem" Wasserstoff. Dafür wird durch Elektrolyse normales Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten - bei "grünem" Wasserstoff geschieht das mit Hilfe von Ökostrom. Erst jüngst hatte die Bundesregierung ein großes Wasserstoffabkommen mit Kanada geschlossen.

Angesichts zunehmend ungewisser russischer Erdgaslieferungen treibt die Bundesregierung den Import von Flüssiggas voran. Bislang fehlen aber die dafür nötigen Importterminals. Neben Gaseinsparungen von rund 20 Prozent sowie vollen Erdgasspeichern sind die LNG-Terminals die dritte wichtige Komponente, damit Deutschland ohne Gasrationierungen durch den Winter kommen kann.

Fünf staatliche Terminals

Zwei weitere schwimmende Anlagen in Wilhelmshaven und in Brunsbüttel sollen daher schon zum Jahreswechsel mit einer Leitungsanbindung zum Weitertransport in Betrieb gehen. Im kommenden Winter ermöglichten die bestehenden Anbindungsleistungen hier eine Kapazität von im Schnitt mindestens 3,5 Milliarden Kubikmeter pro Schiff und Jahr, so das Ministerium. Nach Bau und Inbetriebnahme einer neuen, 55 Kilometer langen Gasleitung könne die Kapazität ab Ende 2023 pro Schiff auf mindestens fünf Milliarden Kubikmeter im Jahr gesteigert werden. Die beiden Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven sollen von RWE und Uniper betrieben werden.

Neben Wilhelmshaven und Brunsbüttel für den kommenden Winter waren bereits zwei weitere Terminals geplant: Eines in Stade und eines in Lubmin an der Ostseeküste sind der Regierung zufolge wohl Ende 2023 betriebsbereit. In Lubmin hat ein privates Konsortium zudem ein zusätzliches auf den Weg gebracht. Dieses dann sechste Terminal könnte bereits Ende 2022 zur Verfügung stehen.

Russland reduziert Gaslieferungen

Russland, gegen das der Westen wegen des Angriffs auf die Ukraine Sanktionen verhängt hat, lieferte zuletzt deutlich weniger Gas nach Europa als bisher. Zuletzt stoppte der russische Staatskonzern Gazprom am Mittwoch die Lieferungen durch die wichtige Ostseepipeline Nord Stream 1 und nannte als Begründung Wartungsarbeiten. Laut Gazprom sollen die Wartungsarbeiten am Freitag beendet werden, und danach sollen wieder die Mengen durch die Pipeline transportiert werden wie in den Wochen zuvor.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. September 2022 um 12:15 Uhr.