ICE der Deutschen Bahn | Bildquelle: dpa

Umstrukturierung Grüne für umfassende Bahnreform

Stand: 23.11.2018 02:53 Uhr

Angesichts der Probleme bei der Deutschen Bahn sprechen sich die Grünen für eine Umstruktierung des Konzerns aus. Die Bahn selbst will Instandhaltungswerke ausbauen und Personal aufstocken.

Die Grünen fordern einen weitgehenden Umbau der Deutschen Bahn. "Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass der Konzern sich neu aufstellt", sagt Fraktionschef Anton Hofreiter der "Süddeutschen Zeitung" angesichts der Probleme bei der Bahn.

Zum einen müssten kleinere Gesellschaften der Bahn zusammengeführt werden. "Die verschiedenen Töchter, wie DB Netz, die Bahnhofsgesellschaft Station & Service und die DB Energie, die alle für das Netz verantwortlich sind, müssen zu einer Infrastruktur-Gesellschaft fusionieren", sagte Hofreiter. "Ohne klare Zuständigkeiten laufen auch Milliardeninvestitionen ins Leere."

Bei den Finanzproblemen solle zudem eine Teilprivatisierung helfen: "Der Verkauf von Tochterunternehmen wie Arriva und Schenker könnte frisches Geld in die Kasse bringen, um Zukunftsprojekte anzupacken", sagte Hofreiter.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Göring-Eckardt und Hofreiter vor Beginn der Klausur in Weimar | Bildquelle: dpa
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Die Trennung von Bahn und Schiene hatten die Grünen schon bei den Koalitionsverhandlungen gefordert.

Zerschlagung und Teilprivatisierung

Für mehr Wettbewerb sei aber auch eine Zerschlagung des Unternehmens in zwei Teile nötig: Netz- und Transportgeschäft müssten getrennt werden, sagte Hofreiter. Eine solche Auftrennung wollten die Grünen schon bei den Verhandlungen zu einer Jamaika-Koalition durchsetzen - gegen den Widerstand der Bahn. Das Kalkül der Grünen: Wird das Netz unabhängig vom Rest des Konzerns geführt, gibt es mehr Wettbewerb.

Nach Ansicht von SPD-Fraktionsvize Sören Bartol wäre eine solche Zerschlagung allerdings "der komplett falsche Weg". Das "System Schiene" dürfe nicht aufgeteilt werden, sagte er dem Deutschlandfunk. In der Vergangenheit seien Fehler gemacht worden, aber inzwischen würden schon sehr viele Mitarbeiter eingestellt, um gegenzusteuern. "Wir müssen weg von der Maximierung des Gewinns, sondern hin in die Maximierung des Schienenverkehrs", forderte der Verkehrsexperte seiner Fraktion.

Tausende Mitarbeiter fehlen

Die Bahn steht wegen vieler Verspätungen in der Kritik. Im Oktober kamen nur 71,8 Prozent der Züge pünktlich an ihre Ziele. Nach einem Bericht des Magazins "Kontraste" fehlen derzeit rund 5800 Mitarbeiter im "betriebskritischen Bereich" des Zugverkehrs.

Darüber hinaus seien im Sommer nur 20 Prozent der eingesetzten ICE-Züge "voll funktionsfähig" unterwegs gewesen. Grund sei vor allem fehlendes Personal in den Werkstätten. Ein Bahn-Sprecher betonte, auch kleinere Probleme wie ausgefallene Kaffeemaschinen oder eine defekte Tür flössen in die Statistik ein - die Sicherheit der Züge sei aber jederzeit gewährleistet.

Aufsichtsrat informiert über Klausurergebnisse

Der Aufsichtsrat der Bahn will heute über Ergebnisse einer zweitägigen Klausurtagung informieren. Themen waren unter anderem Maßnahmen gegen die Verspätung von Zügen, verbesserte Wartung und Instandhaltung der Züge sowie zusätzliche Investitionszuschüsse des Eigentümers Bund an die Bahn in Milliardenhöhe.

Laut einem Bericht der Zeitung "Welt" will die Bahn ihre großen ICE-Instandhaltungswerke ausbauen und das Personal dort aufstocken. Damit solle die Zahl der Züge, die mit Mängeln im Betrieb sind, deutlich reduziert werden.

Züge des Typs ICE stehen auf dem nächtlichen Münchner Hauptbahnhof. | Bildquelle: dpa
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Für die Wartung der ICE soll deutlich mehr Personal eingesetzt werden - notfalls auch von externen Anbietern.

Nach den Plänen des Vorstands sollen vor allem in den ICE-Werken Hamburg-Eidelstedt und Krefeld die Kapazitäten ausgebaut werden.  Zudem sollten die mobilen Teams, die die Züge außerhalb der ICE-Werke warten, so gestärkt werden, dass die Zahl der Fertigungsstunden bundesweit von 130.000 auf 225.000 erhöht werden könne, berichtete die "Welt".

Wo eine Personalverstärkung durch Bahnmitarbeiter nicht möglich sei, solle "unter anderem auch auf externes Personal zurückgegriffen werden", zitierte die Zeitung aus einer Vorstandsplanung.

Die Aufgabenteilung der Werke soll dem Bericht zufolge neu zugeschnitten werden, um die Züge schneller flott zu bekommen. Dafür werde ein Teil der Instandhaltungsarbeiten von Hamburg in das neue ICE-Werk Köln-Nippes verlagert, das durch zusätzlich 55 Siemens-Mitarbeiter verstärkt werden solle. Herbst- und winterfest gemacht würden die ICE-4-Züge künftig zentral am Siemens-Standort Wildenrath an der holländischen Grenze und im Werk Berlin.

Grüne wollen Bahn-Konzern umbauen
Alex Krämer, ARD Berlin
23.11.2018 06:48 Uhr

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