Gelbe und schwarze Senfkörner in der Produktion beim Senfhersteller Händlmaier. | picture alliance/dpa

Teuerung in Deutschland Großhandelspreise sinken leicht

Stand: 15.08.2022 12:09 Uhr

Erstmals seit Herbst 2020 sind die Großhandelspreise gesunken. Die Agrar-Erzeugerpreise steigen nicht mehr ganz so schnell. Trotzdem befürchten Experten noch höhere Inflationsraten.

Der Inflationsdruck aus dem deutschen Großhandel nimmt etwas ab. Zum ersten Mal seit Oktober 2020 sind die Großhandelspreise in Deutschland im Vergleich zum Vormonat gesunken. Das teilte das Statistische Bundesamt heute mit. Im Juli sanken die Großhandelspreise verglichen mit dem Vormonat um 0,4 Prozent. Dafür sorgte etwa die Entwicklung bei Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln, die saisonal bedingt 8,4 Prozent günstiger zu haben waren. Erze, Metalle und Metallprodukte wie Rohre und Bleche waren 4,9 Prozent preiswerter, ebenso Altmaterial und Reststoffe (-2,7 Prozent).

Der Anstieg der Großhandelspreise hat sich damit zum dritten Mal in Folge abgeschwächt. Im Juli lagen die Preise 19,5 Prozent höher als noch im Vorjahr. Im Juni war noch ein Zuwachs um 21,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet worden. Im April hatte es mit 23,8 Prozent das größte Plus seit Beginn der Berechnungen 1962 gegeben.

Brennstoffpreise fast verdoppelt

Der russische Krieg gegen die Ukraine hat vor allem Rohstoffe, Energieträger und Lebensmittel deutlich teurer gemacht. Auch im Juli waren die Mineralölerzeugnisse der stärkste Treiber des Preisanstiegs. Hier stiegen die Preise um rund 53,8 Prozent. Besonders kräftige Preissteigerungen gab es im Großhandel mit festen Brennstoffen, dort kam es zu einem Anstieg von 92,9 Prozent, bei den chemischen Erzeugnissen erhöhten sich die Preise um 41,3 Prozent.

Erheblich teurer waren im Großhandel auch Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette (+38,7 Prozent) sowie Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermittel (+33,4 Prozent).

Zweistellige Teuerungsraten drohen

Die Entwicklung der Großhandelspreise gilt als Indikator für zukünftige Inflationstendenzen bei den Verbraucherpreisen. Der Großhandel ist das "Scharnier" zwischen Herstellern und Endkunden, die höhere Kosten, die später auch Verbraucher zahlen müssen, werden zuerst dort spürbar.

In Deutschland sind die Verbraucherpreise im Juli um 7,5 Prozent gestiegen, nachdem teure Energie die Inflationsrate im Mai mit 7,9 Prozent auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren getrieben hatten. Der staatliche Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket im Nahverkehr sorgten zuletzt für ein wenig Entlastung. Ökonomen erwarten allerdings im Herbst wegen stark steigender Gaspreise zweistellige Teuerungsraten.

Verknapptes Getreide

Auch bei den Erzeugerpreisen schwächt sich der Preisauftrieb etwas ab. Die Landwirte in Deutschland haben für ihre Produkte im Juni etwas geringere Preise erhalten. Laut dem Statistischem Bundesamt waren pflanzliche und tierische Produkte im Schnitt zwar immer noch deutlich teurer als vor einem Jahr, aber gleichzeitig auch 1,9 Prozent billiger als im Mai. Zum Vorjahresmonat stiegen sie um 33,9 Prozent. Im April lag das Plus noch bei 40 Prozent.

Pflanzliche Produkte verteuerten sich binnen eines Jahres mit 35,7 Prozent stärker als tierische Erzeugnisse mit 32,8 Prozent. Das ist vor allem der Entwicklung bei Getreide geschuldet: Im Juni 2022 lag der Preisanstieg beim Getreide um 59,3 Prozent über dem Vorjahresmonat. Gegenüber dem Vormonat sanken die Preise jedoch um acht Prozent. Ausschlaggebend hierfür ist die Verknappung des Angebots infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine. Dadurch hat sich die ohnehin angespannte Situation auf dem Weltmarkt mit einer hohen Nachfrage im In- und Ausland nochmals verschärft.

Speisekartoffeln 116 Prozent teurer

Die Erzeugerpreise für Obst fielen im Juni um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Billiger wurden hier beispielsweise Tafeläpfel (-16,2 Prozent) und Erdbeeren (-8,5 Prozent). Gemüse verteuerte sich dagegen um durchschnittlich 2,9 Prozent, wobei insbesondere für Blumenkohl (+36 Prozent) und Spargel (+35 Prozent) mehr bezahlt werden musste. Bei Speisekartoffeln hielt der Anstieg der vergangenen Monate an: Sie kosteten 116 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.

Hohe Kosten für Energie und Futter trieben auch die Preise für tierische Erzeugnisse. Milch war auf der ersten Handelsstufe 44,9 Prozent teurer als vor einem Jahr und Eier legten um 28,2 Prozent zu. Für Schlachttiere kassierten die Landwirte 23,5 Prozent mehr, wobei die Steigerung beim Geflügel mit 40 Prozent besonders hoch war. "Die hohen Preise resultieren hier weiterhin unter anderem aus den gestiegenen Energiekosten und Futtermittelpreisen", hieß es dazu.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juli 2022 um 14:56 Uhr.