Verkehr in London | AP

Britische Pläne Weg mit Diesel und Benzinern

Stand: 26.07.2017 14:02 Uhr

Sie verpesten die Luft und sind auch sonst schlecht für die Umwelt, daher will die britische Regierung Diesel- und Benzinautos verbannen. Bis 2040 soll auf der Insel ein entsprechendes Verbot kommen. Die Bundesregierung lehnt derartige Pläne für Deutschland weiterhin ab.

Großbritannien will ab 2040 den Verkauf vonAutos mit Verbrennungsmotor verbieten, um die Luftverschmutzung auf der Insel zu verringern. Der Bann soll nicht nur Dieselautos und Benzinern treffen, sondern auch Hybrid-Fahrzeuge.

Das angekündigte Aus für Verbrennungsmotoren ist Teil eines mit Spannung erwarteten Klimaschutzplans der konservativen Regierung in London, mit dem die in manchen Städten zu hohen Schadstoffwerte gesenkt werden sollen. Der Oberste Gerichtshof des Landes hatte die britische Regierung aufgefordert, entsprechende Maßnahmen vorzulegen. In Großbritannien wird auch über Zufahrtsbeschränkungen für Dieselautos in den Innenstädten diskutiert.

Die Ankündigung des Verbots folgt knapp drei Wochen nach der Bekanntgabe Frankreichs, für den Klimaschutz den Verkauf von Verbrennungsmotoren bis 2040 einzustellen. Norwegen hat sich sogar vorgenommen, dass ab 2025 alle Neufahrzeuge emissionsfrei sein sollen.

Ausstieg auch in Deutschland?

Auch in Deutschland fordern Politiker von CDU und Linkspartei klare zeitliche Vorgaben für die Abkehr von Benzin- und Dieselautos. "Den Abschied von der Verbrennungstechnologie werden wir kurzfristig einleiten müssen", sagte der CDU-Verkehrspolitiker Oliver Wittke im Deutschlandfunk. Es gehe nicht an, dass Großbritannien hier den "Taktgeber" spiele, das europäische Automobilland schlechthin aber hinterherhinke, erklärte er. Deutschland müsse, nach Möglichkeit in Absprache mit seinen europäischen Partnern, hier eine verbindliche Absprache treffen. Der richtige Zeitpunkt für einen Ausstieg sei dabei noch zu klären.

Auch der Linken-Verkehrspolitiker Herbert Behrens forderte im ARD-Morgenmagazin klare zeitliche Entscheidungen für eine Abkehr von fossilen Energieträgen im Verkehr.

Großbritanniens Ankündigung veranlasste auch die Umweltschützer von Greenpeace, erneut Druck auf die Bundesregierung auszuüben. Kanzlerin Angela Merkel müsse die deutsche Autobranche "mit klaren Vorgaben auf die Zukunft einstellen", sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup und pochte abermals auf einen per Gesetz vorgeschriebene Abschaffung des Verbrennungsmotors bis 2025. Denn "mit jeder Nachricht wird die Diagnose deutlicher: Der Verbrennungsmotor stirbt".

Merkel warnt vor Verteufelung von Dieselmotoren

Doch die Bundesregierung hat momentan kein Interesse an einer Abschaffung von Verbrennungsmotoren. "Ein Verbot von Diesel-Fahrzeugen oder Benzinern steht derzeit nicht auf der Agenda der Bundesregierung", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel habe wiederholt davor gewarnt, Dieselmotoren pauschal abzulehnen, da sie wegen ihres geringeren CO2-Ausstoßes klimafreundlicher seien als Benziner.

Auch Sprecher des Verkehrsministeriums äußerte sich zurückhaltend zu den Plänen Großbritanniens. Debatten über feste Termine für den Ausstieg aus Verbrennungsmotoren seien "fantasielos".

Autohersteller rüsten sich

So oder so wird nach Einschätzung von Experten die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren mit Diesel und Benzin unter dem Druck schärferer Klimavorschriften im kommenden Jahrzehnt sinken. Angesichts der höheren Kosten und geringeren Reichweite machen Elektroautos aber nach wie vor nur einen Bruchteil der Autoverkäufe aus.

Daimler und Volkswagen peilen an, bis 2025 rund ein Viertel ihres Pkw-Absatzes mit Elektroautos zu bestreiten. Der schwedische Autobauer Volvo, eine Tochter der chinesischen Geely, hatte jüngst als erster traditioneller Autobauer seinen Abschied von Benzin- und Dieselmotoren bekannt gegeben. Ab 2019 soll jeder neue Volvo entweder mit Elektro- oder Hybridantrieb fahren. BMW teilte am Dienstag mit, den angekündigten Elektro-Mini in Großbritannien fertigen zu wollen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Juli 2017 um 07:30 Uhr.

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Moderation 26.07.2017 • 15:17 Uhr

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