Das Grindr-Logo | Bildquelle: picture alliance / empics

Dating-App für Schwule Kritik an Grindr nach Datenweitergabe

Stand: 03.04.2018 17:51 Uhr

Datenschützer und Verbände haben die Betreiber der Dating-App Grindr scharf kritisiert. Die Firma hatte sensible Daten über HIV-Infektionen ihrer homosexuellen Nutzer an externe Firmen weitergegeben.

Die bei homosexuellen Männern beliebte Dating-App Grindr ist wegen der Weitergabe von HIV-Daten an externe Unternehmen in die Kritik geraten. Grindr-Technologiechef Scott Chen versicherte in New York, die Daten seien in verschlüsselter Form und lediglich zur Optimierung der Grindr-Software an zwei Partnerfirmen weitergeben worden. Interessenvertreter von HIV-Kranken kritisierten dagegen einen "ungeheuerlichen" Verstoß gegen Datenschutzgesetze.

Nutzer identifizierbar?

Die norwegische Forschungseinrichtung Sintef hatte herausgefunden, dass Grindr die Nutzerdaten an die zwei Softwarefirmen weitergegeben hatte. Neben Informationen zum Datum des jüngsten HIV-Tests und zu HIV-Erkrankungen gehörten etwa auch der Wohnort und die E-Mail-Adresse dazu. Durch die Kombination dieser Daten ließen sich die einzelnen Nutzer identifizieren, sagte der Sintef-Forscher Antoine Pultier der Website "Buzzfeed". Der HIV-Status sei mit all den anderen Informationen verknüpft. Dies sei das "Hauptproblem". Die Informationen würden an "amerikanische Unternehmen geschickt, die nicht die Zulassung und Systeme zur Sicherung medizinischer Daten haben". Von dort könnten diese zu Arbeitgebern, Eltern oder im schlimmsten Fall Behörden in Ländern gelangen, die Homosexualität unter Strafe stellen.

Grindr-Manager Chen bezeichnete es als branchenübliche Praxis, dass Nutzerdaten mit Unternehmen geteilt würden, die an der Optimierung der eigenen Software arbeiteten. Die beauftragten Firmen Apptimize and Localytics testeten und bewerteten die Plattformen. Sie seien vertraglich strikt verpflichtet, die Daten vertraulich zu behandeln und zu schützen. Sein Unternehmen habe nie "persönlich identifizierbare Nutzerinformationen" an andere Unternehmen wie etwa Anzeigenkunden verkauft und werde dies auch künftig nicht tun, versicherte Chen. Zugleich werde jeder Nutzer darauf hingewiesen, dass seine freiwillig eingestellten Profildaten öffentlich abrufbar seien.

Mehr als 3,5 Millionen Nutzer

Grindr-Gründer Joel Simkhai | Bildquelle: AFP
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Grindr-Gründer Joel Simkhai ist noch heute Vorstandsvorsitzender.

Die Partnervermittlungs-App hat mehr als 3,5 Millionen tägliche Nutzer weltweit. Die dortigen individuellen Profile können viele Information enthalten. Die Angaben zu ihrem HIV-Status sind für die Nutzer jedoch freiwillig. Sie können selber entscheiden, ob sie das entsprechende Feld ausfüllen oder auslassen.

Die Aids Healthcare Foundation (AHF), ein US-Dachverband von in der Arbeit mit HIV- und Aidskranken engagierten Organisationen, warf Grindr gleichwohl einen "ungeheuerlichen Verstoß gegen Rechtsvorschriften zur Vertraulichkeit" vor. Das Unternehmen müsse diese "rücksichtslose Praxis" unverzüglich einstellen. Die AHF lobte jene Männer, welche die Informationen zu ihrem HIV-Status auf Grindr eingegeben hatten, für ihren "Mut". Es sei "extrem bedauernswert", dass die Firma dann diese "höchstprivaten Daten wahllos weitergegeben" habe. In Frankreich rief der Dachverband der im Kampf gegen HIV und Aids tätigen Organisationen zum "totalen Boykott" von Grindr auf.

Dating-App Grindr hat offenbar HIV-Status seiner Nutzer an Firmen weitergegeben
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
03.04.2018 17:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell (Hörfunk) am 03. April 2018 um 13:52 Uhr.

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