Flaggen über der Akropolis
Interview

DIW fordert EU-Mittel für Innovationen "Griechenland braucht ein Investitionsprogramm"

Stand: 18.06.2012 12:37 Uhr

Der Wahlausgang in Griechenland lässt Europa aufatmen, an der wirtschaftlichen Misere hat sich allerdings nichts geändert. Ohne ein Investitionsprogramm wird das Land nicht wieder auf die Beine kommen, meint Alexander Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im tagesschau.de-Interview.

tagesschau.de: Nach der Wahl ist die Erleichterung an den Finanzmärkten groß. Zu Recht?

Alexander Kritikos: Fast zu Recht. Die Regierungsbildung ist nicht in trockenen Tüchern. Das Linksbündnis Syriza hat stark zugelegt. Man sieht hier eine neue Partei im Aufwind, die, wenn sie nicht in die Regierungsbildung mit eingebunden werden kann, durchaus sehr starke Opposition auch auf der Straße wird ausüben können.

Alexander Kritikos
Zur Person

Alexander Kritikos hat griechische Wurzeln und ist seit 2011 Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Zudem hat er eine Professur für Industrie- und Institutionenökonomie an der Universität Potsdam.

tagesschau.de: Wie nah steht Griechenland am Abgrund?

Kritikos: Es steht genauso nah am Abgrund wie vor sechs Wochen. Man hat sechs Wochen Zeit verplempert. Man muss zusehen, dass man nun auf den alten Kurs zurückkehrt, die Reformen weiter fortführt. Aber gleichzeitig muss auch auf EU-Seite überlegt werden, welche unterstützenden Maßnahmen getroffen werden können, damit in Griechenland der Turnaround geschafft werden kann.

Sparen und Reformieren reicht nicht

tagesschau.de: Sind denn die bisherigen Maßnahmen richtig?

Kritikos: Ich glaube nicht, dass die Daumenschrauben mehr angezogen werden müssen. Man muss wahrscheinlich auf der Zeitschiene etwas nachgeben. Es wird aber immer deutlicher, dass parallel zu den Spar- und Reformansätzen ein Investitionsprogramm gefahren werden muss, das Griechenland auf einen Wachstumspfad führen kann. Ohne ein solches Investitionsprogramm wird es dauerhaft ökonomische Probleme geben.

tagesschau.de: Woher soll das Geld dafür kommen?

Kritikos: Derzeit kann es nur aus der EU kommen. Die EU verfügt über eine große Menge an Strukturfonds, die Griechenland derzeit nicht abrufen kann. Hier muss sich die EU Gedanken machen, inwieweit sie bereit ist, diese Strukturfonds umzuwidmen und sie dafür zu nutzen, wachstumsfördernde Investitionen durchzuführen.

Investitionen in Innovationen

tagesschau.de: In welchen Bereichen wäre das sinnvoll?

Kritikos: Am sinnvollsten wären sicherlich Investitionen in Richtung Innovation. Griechenland spielt in der EU mit in einem Konzert innovationsgetriebener Ländern - und ist selbst in keiner Weise innovationsgetrieben. Das muss man dringend ändern, etwa in bestimmten Regionen um Athen und um Thessaloniki herum.

tagesschau.de: Wie schafft man es, dass die jungen Griechen im Land bleiben?

Kritikos: Genau durch diesen Weg. Nur, wenn es gelingt, attraktive Arbeitsplätze zu entwickeln, wenn man neue, produktive Industrien in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf den Weg bringt - nur dann wird es gelingen, gerade die gut Ausgebildeten im Land zu halten. Und das wird die zentrale Herausforderung sein, um Griechenland tatsächlich auf einen Wachstumspfad zu bringen.

Das Interview führte Katrin Prüfig, tagesschau24

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KOMMENTARE

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Der MoJo 18.06.2012 • 18:22 Uhr

@executiveorder11110

Ich empfehle Ihnen ein Geschichtsbuch… Habe ich immer dabei. … es gibt genügend … Videos hierüber Ahja! Bernd Senf und das Alpenparlament und so Späße? Zu Ihrer Aussage… Wo widersprechen Sie jetzt meiner Aussage? Natürlich darf die EZB nur an GB Geld verleihen. Nur die GB dürfen es weiterverleihen. Die GB darf und muss natürlich auf den Zins der EZB einen Zinsaufschlag nehmen. Die GB haben nämlich das Risiko aus der Kreditvergabe zu übernehmen(, eigentlich). Dieser Risikoaufschlag nennt sich dann auch Risikoaufschlag. Habe ich eine Gruppe von Zinsnehmern, von denen bspw. bei 10 % des Kreditvolumens nur die Hälfte getilgt wird, weil die Kreditnehmer Pleite gehen, muss die GB einen Zins von [Zins der EZB] + 5 % nehmen, sonst geht die GB Pleite. Und dann gibt's ja noch Angestellte, die Gehälter wollen, und so. Die multiple Geldschöpfung senkt übrigens das Risiko der EZB bei einer Bankpleite, halt auf Kosten des Pleiterisikos der Bank. Ist halt so.