Schuldenschnitt

Krise in Griechenland Athen macht Angebot für Schuldenschnitt

Stand: 24.02.2012 19:54 Uhr

Es ist der offizielle Schritt zum Schnitt, zum Schuldenschnitt: Die griechische Regierung hat den privaten Gläubigern - Banken, Versicherern und Hedge-Fonds - das Angebot für den geplanten Umtausch ihrer Anleihen unterbreitet. Das entsprechende zehnseitige Dokument nennt die Bedingungen, zu denen Banken, Fonds und andere private Geldgeber ihre bisher gehaltenen Schuldpapiere mit einem Nominalverlust von 53,5 Prozent in neue, länger laufende Anleihen umtauschen können.

Verzicht und veränderte Konditionen summieren sich nach Berechnungen von Experten sogar auf einen Verlust von mehr als 70 Prozent des Nominalwerts der Anleihen. Das Dokument wurde vom Ministerrat gebilligt und am Abend auf der Internetseite des Athener Finanzministeriums in englischer Sprache veröffentlicht. Gestern hatte das Parlament dem Gesetz für den Schuldenschnitt zugestimmt.

Erfolg hängt vom Mitmachen ab

Insgesamt könnten Staatsanleihen mit einem nominellen Gesamtwert von rund 206 Milliarden Euro bei der Aktion eingetauscht werden. Wie erfolgreich der sogenannte Schuldenschnitt wird, hängt davon ab, wie viele der privaten Gläubiger mitmachen. Sollten nicht mindestens 75 Prozent der dafür ausgeschriebenen Anleihen getauscht werden, werde die Aktion abgebrochen, hieß es.

Mit dem Anleihentausch will die Regierung in Athen 107 der 350 Milliarden Euro ihrer Schulden loswerden. Voraussetzung für den Schuldenschnitt war die Zusage eines zweiten Rettungspakets von Eurozone und Internationalem Währungsfonds (IWF), mit dem eine Pleite des Landes vermieden werden soll. Am 20. März werden dreijährige Anleihen im Wert von 14,4 Milliarden Euro fällig. Sollte der Anleihentausch scheitern, droht Griechenland der Bankrott.

Griechische Banken brauchen Milliardenhilfen

Der Schuldenschnitt wird vor allem die griechischen Banken belasten, weil sie griechische Staatsanleihen im Wert von rund 40 Milliarden Euro besitzen. Ein wesentlicher Teil der Finanzhilfen des zweiten Rettungspakets der Euro-Staaten in Höhe von bis zu 130 Milliarden Euro soll bereit stehen, damit die Regierung in Athen den Banken des Landes ausreichend Kapitalhilfen gewähren kann. Griechenlands Geldhäusern macht zusätzlich zu schaffen, dass wegen der schweren Rezession viele Griechen Schwierigkeiten haben, Kredite zurückzuzahlen.

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KOMMENTARE

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Voltaire_deux 25.02.2012 • 02:24 Uhr

Vor der Prüfung ...

. ...des griechischen Schuldenschnittangebots muß Hellas erst einmal substantiiert dartun, welche konkreten Be- mühungen dieses Land in den letzten (beiden) Jahren konkret unternommen hat, um an die Vermögen griechi- scher Steuerhinterzieher zu gelangen und wieviel Millionen Euro hiervon bereits vereinnahmt worden sind ! Ich vermisse irgendwie den Nachweis eigener Anstrengung- en in dieser Richtung. Grundsätzlich sollte jedwede Unterstützung nur dann von der EU-Gemeinschaft (mit dem Löwenanteil Deutsch- lands !) geleistet werden, wenn der konkrete Nachweis erbracht worden ist, daß und in welchem Umfang die Be- schlagnahmungen von Steuerhinterziehergeldern im grie- chischen Ausland zu konkreten, in Zahlen ausdrückbaren Ergebnissen geführt haben. Einfach die Hand aufhalten geht (schon lange) nicht (mehr) ! 2x arglistig getäuscht, 1x die Bilanzen frisiert - und dazu noch jahrzehntelang keine flächendeckenden Steuern erhoben ! - da braucht es sehr viel Eigeninitiative, Herr Venizelos!