Finanzminister will Schulden-Rückzahlung strecken Griechenland hofft auf mehr Zeit

Stand: 02.05.2011 13:06 Uhr

George Papaconstantinou
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Der griechische Finanzminister George Papaconstantinou will die Rückzahlung der Beihilfen strecken.

Der griechische Finanzminister Giorgos Papaconstantinou spricht sich für eine längere Rückzahlungsfrist der von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) gewährten Hilfskredite aus. "Es wäre besser, wenn wir die Rückzahlung der 110 Milliarden Euro verlängern, die wir von unseren Partnern bekommen haben", sagte Papaconstantinou in einem Interview mit der französischen Tageszeitung "Liberation".

Auch die Zinsen sollten weiter gesenkt werden. "Auf diese Weise könnten wir unsere anderen Zahlungsverpflichtungen erfüllen." Eine Umschuldung - bei der die privaten Gläubiger auf einem Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben würden - werfe dagegen mehr Probleme auf als sie löse. Die Regierung hat mehrere Sparprogramme aufgelegt, um die Neuverschuldung zu drücken. Dadurch hat sich die Rezession verschärft. Papaconstantinou rechnet aber für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr wieder mit einem Wirtschaftswachstum. "Wir befinden uns in der Mitte des Tunnels", sagte er.

Währungskommissar und Rettungsfonds-Chef ebenfalls gegen Umschuldung

EU-Währungskommissar Olli Rehn schloss eine Umschuldung Griechenlands kategorisch aus. Wer sich dafür ausspreche, "der scheint die potenziell verheerenden Konsequenzen für andere Länder und die gesamte Eurozone zu ignorieren", sagte er. Eine Restrukturierung "gehört nicht zu unserer Strategie und wird auch nicht dazugehören".

Der Chef des Euro-Rettungsfonds (EFSF), Klaus Regling, sprach sich ebenfalls gegen eine Umschuldung aus: Er warf der Finanzbranche vor, von der Schuldenkrise in Griechenland profitieren zu wollen. Die Geldbranche heize die Debatte über eine Umschuldung des Landes gezielt an, weil sie auf hohe Gewinne spekuliere, sagte er dem "Handelsblatt". "In den 80er und 90er Jahren haben die Banken für die Restrukturierung von Staatsschulden in Lateinamerika und Asien sehr hohe Honorare kassiert. Das würden sie in Europa gerne wiederholen", erklärte Regling.

Griechenland steht mit 340 Milliarden Euro in der Kreide. Um das Land vor dem Bankrott zu retten, musste die Regierung in Athen harte Sparmaßnahmen einführen. Viele Staatsbedienstete verloren nach Angaben ihrer Gewerkschaft mehr als 20 Prozent ihres Einkommens. Die Arbeitslosigkeit stieg innerhalb von 16 Monaten von 11,3 auf 15,1 Prozent.

Neue Proteste in Griechenland

Bei den Mai-Kundgebungen am Sonntag hatten in vielen griechischen Städten Tausende Menschen gegen die harten Sparmaßnahmen der sozialistischen Regierung Griechenlands demonstriert. Die beiden größten Gewerkschaftsverbände des Landes GSEE - privater Sektor - und ADEDY - staatlicher Bereich - haben für den 11. Mai landesweite Streiks angekündigt.

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