Renzi und Tsipras in Rom

Tsipras fordert mehr Spielraum für Reformen Ein unverbindliches "Ja, aber" aus Rom

Stand: 03.02.2015 21:20 Uhr

Griechenlands Ministerpräsident Tsipras hat nach einem Treffen mit Italiens Regierungschef Renzi im Schuldenstreit mit der EU Gesprächsbereitschaft signalisiert. Renzi gab sich diesbezüglich zuversichtlich, mahnte aber auch Reformen in dem Land an.

Renzi und Tsipras in Rom
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Beim italienischen Premier Renzi traf Griechenlands Ministerpräsident Tsipras (rechts) auf Verständnis für seine Pläne.

Im Streit um eine Lösung für das griechische Schuldenproblem gibt sich die neue Athener Regierung versöhnlicher als zuletzt. "Es gibt schon zu viele Risse in Europa, um neue entstehen zu lassen", sagte Ministerpräsident Alexis Tsipras nach einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Mario Renzi in Rom. "Wir sind natürlich offen für Vorschläge von anderen Partnern für alternative Wege."

Renzi betonte, er habe Vertrauen, dass Tsipras mit dem von ihm begonnen Dialog eine Lösung finden könne. "Ich glaube fest daran, dass die Voraussetzungen für eine Einigung zwischen Athen und den europäischen Institutionen gegeben sind".

Renzi mahnt auch Reformen an

Die Bedingungen dafür seien vorhanden. Man müsse aber auch die Bilanzen im Blick behalten, so Renzi. Denn jede Entwicklung auf Pump gehe zu Lasten der folgenden Generationen. Gleichzeitig forderte Renzi einen verstärkten Kampf gegen Steuerhinterziehung und Korruption. "Wir müssen alle unsere Reformen machen."

Yanis Varoufakis
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Minister Varoufakis legte in Rom ebenfalls Vorschläge vor - die bleiben jedoch geheim.

Tsipras bat um Zeit, damit seine neue Regierung ihre Pläne zur Neuordnung der Wirtschaft und für Reformen vorbereiten könne. Es werde keine neuen Haushaltsdefizite geben. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hatte zuvor Vorschläge zum Umgang mit den griechischen Schulden vorgelegt. Man habe nicht über Einzelheiten dieses Plans gesprochen, sagte Renzi allerdings.

Athen will keinen Schuldenschnitt mehr

Vor dem Besuch war Varoufakis bereits in einem Interview von der Forderung nach einem Schuldenschnitt abgerückt. Die griechische Regierung drückt aufs Tempo, um zu einer Lösung im Schuldenstreit zu kommen, denn Ende Februar läuft das internationale Hilfsprogramm aus - und ohne eine Verlängerung wäre das hoch verschuldete Land sehr schnell knapp bei Kasse.

Griechische Regierung weiter auf Werbetour in Europa

Am Mittwoch trifft Varoufakis auf seiner Europatour nun auch den EZB-Präsident Mario Draghi. Tsipras spricht zudem mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Am Donnerstag ist in Berlin zudem ein Treffen Varoufakis' mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geplant.

Griechenland hat Staatsschulden in Höhe von etwa 320 Milliarden Euro. In diesem Jahr wird der Schuldenberg Athens knapp 169 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Vor drei Jahren hatten Privatgläubiger wie Banken bereits einen Schuldenschnitt von 50 Prozent hinnehmen müssen.

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