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Kreditgeber warten auf Reformzusagen Athen droht - mal wieder - die Pleite

Stand: 16.04.2015 15:15 Uhr

Eigentlich wollten die Euro-Finanzminister kommende Woche die neuen Milliardenhilfen für Griechenland freigeben. Doch die Kreditgeber warten bislang vergeblich auf die geforderte Reformliste. Athen droht also - mal wieder - in die Pleite zu schlittern.

Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Brüssel

Auf diesen Termin arbeiten die Experten von Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission seit Wochen hin: auf das Treffen der Euro-Finanzminister am kommenden Donnerstag im lettischen Riga.

Ralph Sina ARD-Studio Brüssel

Ende dieser Woche sollte der von den potenziellen Kreditgebern herbeigesehnte Reformplan aus Athen vorliegen. Damit Ende kommender Woche die sogenannte Eurogruppe grünes Licht für die Überweisung eines rettenden Milliardenkredits an die griechische Regierung geben kann. Allerdings schwindet die Hoffnung von Tag zu Tag.

"Erwarten Sie keine Lösung"

"No Solution" - bis jetzt haben wir keine Lösung, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gestern in New York. Und mit Blick auf das Treffen mit Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis und seinen 17 weiteren Amtskollegen aus den Euro-Staaten in Riga warnte Schäuble vor allzu hohen Erwartungen: "Erwarten Sie keine Lösung in der nächsten Woche", so der Bundesfinanzminister.

Wolfgang Schäuble, Yanis Varoufakis

Keine Lösung in Sicht - Bundesfinanzminister Schäuble wartet weiter auf konkrete Reformzusagen seines griechischen Amtskollegen Varoufakis (Archivbild).

Selbst Juncker ist skeptisch

Schäubles Skepsis wird mittlerweile von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker geteilt. Der EU-Kommissionschef, für den ein Herausfallen Griechenlands aus dem Euro  bisher ein absolutes Tabu war, ist von der mangelnden Reform- und Sparbereitschaft der Tsipras-Regierung tief enttäuscht. Wenn es in der kommenden Woche in Riga tatsächlich keinen Durchbruch beim Überbrückungskredit für Griechenland gibt, gerät die Tsipras-Regierung in eine enorme Zahlungsfalle: Auf rund 2,4 Milliarden Euro belaufen sich allein im Mai die Forderungen des Internationalen Währungsfonds.

Zittern um die nächste Zurückzahlung

"Ja, ich habe mein Geld zurückbekommen", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde, nachdem Griechenland in diesem Monat nach einer regelrechten Zitterpartie seinen 460 Millionenkredit zurückgezahlt hatte. Doch wenn es bereits bei knapp einer halben Milliarde Euro für Athen kritisch wird, wie will Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras dann im nächsten Monat die fünffache Summe für den IWF aufbringen? Dies fragen sich die Experten der für Griechenland zuständigen Brüssel-Gruppe der internationalen Kreditgeber. 

Schäuble: "Man wird sehen"

Er sei geduldig, versichert der deutsche Finanzminister, er warte ab. "Man wird sehen", lautet Schäubles-Devise. Doch de facto ist der Bundesfinanzminister ebenso ungeduldig mit Athen, wie EU-Kommissionschef Juncker und die in der Brüsselgruppe versammelten Griechenland-Kreditgeber.