Deutsche und griechische Flagge | AFP

FAQ zu "Grexit"-Risiken Mit wie viel Geld haftet Deutschland?

Stand: 17.06.2015 17:15 Uhr

In der "Grexit"-Debatte geht es um aberwitzige Beträge. Doch wie viel Geld könnte Deutschland bei einem griechischen Zahlungsausfall tatsächlich verlieren? Und wie groß ist das Risiko eines Totalverlusts? Tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie viel steht auf dem Spiel?

Deutschland steht im Rahmen der beiden Griechenland-Hilfspakete für Kredite von gut 50 Milliarden Euro gerade. Das Risiko aus dem ersten Paket beträgt 15,2 Milliarden Euro. Das Geld floss in Form von Darlehen, wurde über die Staatsbank KfW abgewickelt und von der Bundesregierung verbürgt. Zum zweiten Hilfspaket trug Deutschland Bürgschaften in Höhe von 38,5 Milliarden Euro bei. Würde Griechenland alle Zahlungen an seine Gläubiger einstellen, müsste Deutschland im schlimmsten Fall auch für einen Teil der ausfallenden griechischen Anleihen in der Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB) haften.

Wie stark träfe ein Zahlungsausfall die deutschen Banken?

Die Forderungen der deutschen Banken gegen griechische Gläubiger haben sich in den vergangenen Jahren massiv verringert. Sie beliefen sich nach Zahlen der Bundesbank im März 2015 auf 19,1 Milliarden Euro, davon etwa 15,2 Milliarden Euro gegenüber dem griechischen Staat - der Rest gegenüber Banken, Industriefirmen und Privatpersonen. Die griechischen Staatsschulden in den Büchern der deutschen Banken entfallen allerdings nahezu ausschließlich auf die staatliche Förderbank KfW - sind also Bestandteil der Zahlen zur deutschen Beteiligung am ersten Griechenland-Hilfsprogramm.

Gibt es weitere indirekte Risiken?

Ja, sie ergeben sich aus den Kredithilfen des IWF. Der hatte sich mit 19,1 Milliarden Euro am zweiten und mit 20,1 Milliarden Euro am ersten Hilfspaket beteiligt. Nimmt man die deutsche IWF-Quote von gut fünf Prozent als Maßstab, so entfiele auf Deutschland rechnerisch ein Haftungsbetrag von etwas über zwei Milliarden Euro. Allerdings - der IWF hat noch nie Kredite abschreiben müssen und genießt unter allen Gläubigern eine vorrangige Position.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlusts?

Wohl eher gering. Denn das würde bedeuten, dass Griechenland alle Schuldenzahlungen einstellt. Für vorstellbar wird allerdings gehalten, dass Athen zumindest einen beträchtlichen Schulden seiner Schulden nicht mehr bedient, wenn die linke Syriza-Partei an die Regierung kommt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Januar 2015 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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tisiphone 06.01.2015 • 01:36 Uhr

@ Ente gut - Alles gut

Das Konstrukt EU hat sich bewährt, weil wir in Deutschland noch nie so lange keinen Krieg hatten? Sie meinen, weil wir Deutschen noch nie so lange keinen Krieg mehr angezettelt haben. Ich weiss ja nicht, ob das für uns reichen sollte. So als Sinn der EU. Ich mein jetzt, für uns Deutsche. Und wirtschaftlich gelohnt hat sich das Konstrukt in erster Linie für Konzerne, Grossbetriebe, Handelsketten etc. Den Preis find ich viel zu hoch. Die Demonstrationen in ganz Europa sollten uns zeigen, dass da irgendwas nicht so ganz gelungen ist. Die EU kam zu schnell, um sie so schnell aufzubauen hat man die eigenen Richtlinien aufgeweicht. Zu schnell hat man immer wieder erweitert. Viele Länder, die rein wirtschaftlich noch nicht so weit waren. Und Griechenland, die hat man eben den Preis zahlen lassen. Griechenland ist der Buhmann für die Folgen einer überstürzten Erweiterungspolitik. Der Buhmann für die Gier all jener, denen es nicht schnell genug gehen konnte.