Sycamore-Prozessor | Bildquelle: REUTERS

Googles Quantencomputer Ziemlich schnell oder ultraschnell?

Stand: 24.10.2019 10:50 Uhr

Computerfirmen versuchen schon lange, die Technik der Quantenmechanik für ultraschnelle und schlaue Computer zu nutzen. Google soll nah dran sein. Konkurrent IBM zweifelt daran.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Das hat sich Google sicherlich alles anders vorgestellt: Die angebliche Sensation über die so genannte "Quantenüberlegenheit" ist nicht neu, sondern wurde versehentlich schon im September veröffentlicht. Die NASA hatte ein entsprechendes Dokument schon vor Wochen ins Netz gestellt. Nun wurde es aber offiziell in der Fachzeitschrift "Nature" unter dem Titel "Quantenüberlegenheit mithilfe eines supraleitenden Prozessors" publiziert.

Google Chef Sundar Pichai erklärte im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, was Googles Prozessor Sycamore geschafft hat: "Er kann eine Aufgabe in Sekunden lösen, für die die schnellsten Supercomputer Tausende Jahre brauchen würden. Das ist ein wirklich wichtiger Meilenstein."

Google-Chef Sundar Pichai schaut sich den Quantencomputer an. | Bildquelle: REUTERS
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Google-Chef Sundar Pichai schaut sich den Quantencomputer an.

Wie Schrödingers Katze

Angeblich 10.000 Jahre bräuchten andere Computer, um so genau zu sein. Quantencomputer unterliegen den komplexen und nicht so einfach zu verstehenden Gesetzen der Quantenmechanik. Vereinfacht gesagt, kann ein Teilchen an mehreren Orten gleichzeitig sein und mehrere Zustände zur selben Zeit darstellen.

Der Physiker Erwin Schrödinger versuchte dieses Paradox in einem mittlerweile recht bekannten Gedankenspiel zusammenzufassen: eine Kiste mit einer Katze, in der sich gleichzeitig eine Mordapparatur befindet. Man muss sich dann vorstellen, dass diese Apparatur vom Zerfall eines radioaktiven Atoms gesteuert wird - und das sei komplett zufällig. Von außen könne man nicht wissen, was in der Kiste vorgehe - und so sei die Katze beides, tot und lebendig.

Zukunftstechnologie

Die Quantenphysik wird als die Zukunftstechnologie angesehen, denn sie soll einige Probleme lösen, erklärt Michael Brett, Geschäftsführer des Quantensotwareunternehmens QxBranch gegenüber dem US-Sender CNBC: "Selbst mit unseren Supercomputern gibt es noch einige Probleme, die für uns gerade zu schwierig sind, zum Beispiel im Bereich der Optimierung, die für die künstliche Intelligenz wichtig ist." Quantencomputer würden eine ganz neue Architektur und eine Art anderer Mathematik erlauben, die viel schneller und effizienter sei, als alles Dagewesene.

Beispielsweise könnten komplizierte Klimamodelle erstellt oder Verschlüsselungstechniken revolutioniert werden. Es steckt eine Menge Potenzial, Macht und Geld in dieser Technologie. Allerdings sind Quantenberechnungen eine Herausforderung, denn die Technik muss zum Beispiel auf über minus 200 Grad herunter gekühlt werden. Und sie ist durchaus fehleranfällig.

Konkurrent IBM zweifelt

Einer der größten Konkurrenten von Google, der Computerhersteller IBM, bezweifelt nun dass der Durchbruch so fantastisch sei, wie er dargestellt würde. Die prognostizierten 10.000 Jahre seien nicht ganz richtig. Stattdessen könne ein Supercomputer diese Aufgabe in zweieinhalb Tagen lösen, schrieb IBM in einem Blogeintrag. Das Experiment sei lediglich eine "exzellente Demonstration" des aktuellen Stands der Technik. 

Viele Wissenschaftler werteten das Experiment von Google durchaus als Meilenstein und glauben, dass sich der Wettstreit um die Quantencomputer deutlich verschärft hat.

Google auf dem Weg zum Quantencomputer?
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
24.10.2019 09:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2019 um 16:53 Uhr.

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