Google Standortdaten | Bildquelle: REUTERS

Neuland für Tech-Konzerne Google-Mitarbeiter gründen Gewerkschaft

Stand: 05.01.2021 09:31 Uhr

Beim Internet-Giganten Google mit seiner Muttergesellschaft Alphabet vertritt erstmals eine Gewerkschaft die Interessen der Beschäftigten. Für die US-Technologiebranche ist dies noch höchst ungewöhnlich.

Erstmals in seiner Unternehmensgeschichte hat es das Management bei Alphabet und Google mit einem gewerkschaftlichen Zusammenschluss zu tun. In der amerikanischen Hightech-Branche spielten Gewerkschaften bislang keine Rolle.

Die Alphabet Workers Union vertritt nun mehr als 200 Beschäftigte in den USA, teilte die Organisation mit. Faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedinungen stehen auf der Forderungsliste der Gewerkschaft. Die Mitglieder fordern zudem, dass sich der seit Jahren in der Kritik stehende Konzern strukturell verändert.

Arbeitsniederlegungen wegen Sexismus und Rassismus

Google ist aufgrund von Vorwürfen etwa wegen Sexismus, Rassismus und Machtmissbrauch durch Führungskräfte schon länger mit internen Protesten konfrontiert. Im November 2018 hatten deshalb Tausende Beschäftigte zeitweise die Arbeit niedergelegt.

Die Alphabet Workers Union stellt in der gewerkschaftsfernen US-Tech-Branche eine seltene Ausnahmeerscheinung dar, vertritt allerdings bisher auch nur einen Bruchteil der insgesamt über 130.000 Mitarbeiter des Alphabet-Konzerns. Die Alphabet Workers Union entstand nach eigenen Angaben mit Unterstützung der größeren Gewerkschaft Communication Workers of America und wird sich dieser anschließen.

Mitarbeiter "ohnmächtig"

"Viele Mitarbeiter fühlen sich ohnmächtig und haben das Gefühl, sie können nicht mehr mitbestimmen, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickelt", sagte Kimberly Wilber, eine der Vertreterinnen der neuen Gewerkschaft gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Mit der Gewerkschaft könnte das Management die Anliegen der Beschäftigten nun nicht mehr ignorieren.

Das Unternehmen erklärte gegenüber US-Medien, Arbeitnehmerrechte zu unterstützen, ohne jedoch konkret auf die grundlegende Kritik einzugehen. In der Stellungnahme machte Alphabet indes deutlich, sich auch künftig lieber "direkt mit all unseren Beschäftigten" zu befassen als mit der neu gegründeten Arbeitnehmervertretung.

Auch Amazon-Verteilzentrum bekommt Vertretung

Auch beim Internet-Versandriesen Amazon wird es bald eine gewerkschaftliche Arbeitnehmervertretung in den USA geben. Kurz vor Weihnachten hatte die zuständige Aufsichtsbehörde im US-Bundesstaat Alabama grünes Licht für die Wahl einer gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmervertretung im dortigen Verteilzentrum gegeben. Dort arbeiten 5000 Mitarbeiter. Auch Amazon sträubt sich gegen Gewerkschaften und hatte im Dezember behauptet, dass die Mehrheit der Beschäftigen das Unternehmen als "guten Arbeitgeber" empfinde.

Initiative für "digitale Angestellte"

Die US-Gewerkschaftsbewegung hatte im vergangenen Jahr eigens die "Communication Workers of America Union's Campaign to Organize Digital Employees" (CODE-CWA) ins Leben gerufen. Die Initiative soll gezielt den Einfluss von Gewerkschaften bei den Tech-Unternehmen in den USA erhöhen. Im Silicon Valley, der Brutstätte vieler Technologiekonzerne in Kalifornien, bleiben Gewerkschaften bislang noch verpönt - vor allem beim Management.

Google-Beschäftigte in den USA gründen Arbeitnehmer-Vertretung
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
05.01.2021 10:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Januar 2021 um 23:34 Uhr.

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