Google-Assistant-Lautsprecher steht auf einem Tisch | Bildquelle: picture alliance / Britta Peders

Sprachassistent Google analysiert Nutzergespräche

Stand: 12.07.2019 09:55 Uhr

Die per "Okay, Google" aufgezeichneten Audioaufnahmen sind nicht so privat, wie viele denken. Mitarbeiter verschriftlichen einen Teil der Aufnahmen. Dadurch können auch Personen identifiziert werden.

Google lässt einen Teil der per Google Assistant aufgenommenen Sprachbefehle anhören und transkribieren. Auftragnehmer des Konzerns hörten regelmäßig per Mobiltelefon oder smarte Lautsprecher gemachte Aufnahmen und prüften sie, gab Google per Blogeintrag zu. Dies geschehe anonym, versicherte das Unternehmen.

Damit reagierte Google auf einen Leak von mehr als 1000 dänischen Sprachaufnahmen, die dem belgischen Sender VRT zugespielt wurden. Die Aufnahmen hatten Nutzer mit dem virtuellen Sprachassistenten gemacht. Diese beinhalteten teilweise sensible persönliche Gespräche, sowie Informationen, mit denen die Personen identifiziert werden konnten.

Reporter konnten Sprecher identifizieren

Google betonte, mit den Aufnahmen seien keine Accountinformationen von Kunden verbunden. Prüfer seien angewiesen, keine Hintergrundunterhaltungen zu transkribieren.

Reporter des öffentlich-rechtlichen Senders in Belgien konnten in einigen Aufnahmen jedoch Adressen raushören, und waren in der Lage, die Sprecher zu identifizieren. Die meisten Aufzeichnungen waren dem Bericht zufolge mit dem Befehl "Okay, Google" absichtlich entstanden. Einige der Aufnahmen seien aber nicht an den Assistenten gerichtet gewesen. Teilweise waren die Gespräche im Hintergrund zu hören, oder der Assistent verstand fälschlicherweise, der Nutzer richte sich an ihn - beispielsweise durch die Worte "Okay, gut".

Sprachassistenten google home und Alexa
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Mit Sprachassitenten wie Alexa von Amazon (links) und Google Home (rechts) können unter anderem Nachrichten gehört werden - auch von der tagesschau.

Einverständnis im Kleingedruckten

Googles Vertragspartner verschriftlichen die Aufnahmen den Angaben des Konzerns zufolge, um Sprachmuster und Akzente besser zu verstehen. Die Nutzer haben dem im Kleingedruckten zugestimmt. In den Nutzungsbedingungen steht, dass die Firma Aufnahmen nutzen kann, "um die Spracherkennung zu verbessern".

Die Aufnahmefunktion des Gesprächs ist ausgeschaltet, wenn man das Gerät das erste Mal in Betrieb nimmt. Google rät Nutzern jedoch, die Funktion einzuschalten. Ansonsten steht ein Teil der personalisierten Funktionen nicht zur Verfügung. Der Assistent kann dann beispielsweise keine individuellen Stimmen mehr erkennen, weil er keine Stimmmuster erlernen kann.

Nicht nur Google analysiert Audioaufnahmen. Auch Rivale Amazon hatte bestätigt, dass Vertragspartner die Aufzeichnungen von Alexa auswerten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juli 2019 um 20:00 Uhr.

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