Goldbarren | Bildquelle: AFP

100 Jahre Goldfixing Wie der Goldpreis entsteht

Stand: 12.09.2019 16:37 Uhr

In Zeiten niedriger Zinsen ist Gold ist als Geldanlage populär. Wieviel eine Feinunze kostet, das wird in London bestimmt: 15 Händler legen zwei Mal pro Tag den weltweit wichtigen Referenzkurs fest.

Von Sabina Matthay, ARD Studio London

Seit dem 12. September 1919 wird täglich festgelegt, wieviel eine Feinunze Gold am Weltmarkt kosten soll - in London, noch immer nach den Regeln von einst: "Das Fixing wurde auf Wunsch der Bank von England eingeführt, die einen offenen Markt wollte, wo Käufer und Verkäufer den jeweils bestmöglichen Preis erzielen konnten", erzählt Ruth Crowell. Sie ist Geschäftsführerin der London Bullion Market Association (LBMA), die den außerbörslichen Handelsplatz für Gold reguliert.

Anfangs waren es drei Banker, später fünf, die den Goldpreis an jedem Börsentag im Bankhaus Rothschild aushandelten. Rothschild hat sich längst zurückgezogen, die 15 Teilnehmer der Runde heute stimmen sich per Telefon und Internet ab. Aber das Verfahren hat sich im Kern nicht geändert, erklärt Crowell:  "Um 10.30 Uhr und dann nochmal um 15 Uhr Ortszeit London schließt die Runde sich kurz, um den internationalen Referenzwert für Goldgeschäfte festzulegen."

Bieter bestimmen den Preis

Es funktioniert wie eine Auktion: Das Fixing beginnt beispielsweise bei 1500 US-Dollar pro Feinunze. Der Preisvorschlag wird binnen Sekunden in den Goldfixing-Banken weitergegeben, die den Preis wiederum ihren Kunden vorschlagen.

Wollen mehr Leute kaufen als verkaufen, ist der Preis vermutlich zu niedrig. Wollen mehr Leute verkaufen als kaufen, ist er wohl zu hoch. Der Preis geht also hoch und runter, bis er sich auf einen Wert einpendelt. Dieser Fixingkurs dient als Richtgröße für den gesamten Goldhandel des Tages. Insbesondere Investoren, Banken und Minengesellschaften brauchen für große Transaktionen und zur Bewertung ihrer Bestände einen solchen Richtpreis.

Goldpreis steigt - Referenzwährungen verlieren

4 Pfund 18 Schilling und 9 Pence pro Feinunze betrug der allererste Fixingkurs am 12. September 1919. 1968 wechselte die Referenzwährung von Pfund Sterling zu US-Dollar. Beide Währungen haben seither gegenüber Gold enorm an Wert verloren.

Logo der britischen Großbank Barclays
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Ein Händler der britischen Großbank Barclays war bei der Manipulation des Goldpreises erwischt worden.

Und noch etwas hat sich geändert, erläutert Crowell: Inzwischen gibt es unabhängige Kontrollgremien. Eine Aufsicht gab es auch vorher schon, aber jetzt handelt es sich um eine unabhängige Instanz, die der britischen Finanzaufsichtsbehörde untersteht. Sie soll die Manipulation der Preisermittlung verhindern. 2014 musste beispielsweise die Barclays-Bank 45 Millionen Dollar Strafe zahlen, als ein ehemaliger Trader aufflog.

Mit verschärfter Aufsicht konnte das Vertrauen in das Goldfixing gestärkt werden. Das ist nötiger denn je: Der Preis des Edelmetalls überspringt alle Hürden. 2019 könnte nach Einschätzung von Analysten als "Jahr des Goldes" in die Geschichte eingehen.

 

100 Jahre Goldfixing
Sabina Matthay, ARD London
12.09.2019 15:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 12. September 2019 um 14:54 Uhr.

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