Fabrice Tourre

"Fabelhafter Fab" Goldman-Banker Tourre verurteilt

Stand: 02.08.2013 03:10 Uhr

In den USA ist eines der bislang spektakulärsten Urteile infolge der Finanzkrise gefallen. Eine Geschworenen-Jury sah als erwiesen an, dass der Goldman-Sachs-Banker Fabrice Tourre Investoren bewusst irregeführt hat. Sie verurteilte ihn deshalb wegen milliardenschweren Betrugs. Über das Strafmaß ist noch nicht entschieden. Tourre drohen eine hohe Geldzahlung und Berufsverbot.

Symbolfigur der Finanzkrise

Der Banker mit dem Spitznamen "Fabelhafter Fab" wurde 2010 zur Symbolfigur für die Überheblichkeit der Wall Street. Im Zuge der Ermittlungen wurden damals E-Mails Tourres an seine Freundin veröffentlicht, in denen er unter anderem scherzte, er habe Schrottpapiere auch "an Witwen und Waisen" verkauft. Im Verfahren bedauerte er diese Aussage.

Fabrice Tourre

Nie wieder Banker? Fabrice Tourre, dem nun ein Berufsverbot droht, vor dem Gericht in Manhattan.

Konkret ging es in dem Prozess um Schrottpapiere mit dem Kunstnamen "Abacus": Der Hedgefonds-Manager John Paulson hatte für das Produkt zusammen mit Goldman Sachs zweitklassige Hypothekenpapiere ausgewählt - und zugleich auf den Wertverfall dieser Papiere gewettet. Leidtragende waren andere Goldman-Kunden, die mit "Abacus" auf Preissteigerungen am US-Immobilienmarkt setzten. Dazu zählte auch die Düsseldorfer Industriekreditbank (IKB), die 2007 nach Fehlspekulationen vom deutschen Steuerzahler mit Milliarden Euro aufgefangen wurde.

Interessenkonflikt verschwiegen

Nach Auffassung der US-Börsenaufsicht SEC hätte Tourre den Käufern von "Abacus" diesen Interessenkonflikt offenlegen müssen, denn dass Goldman und Paulson gemeinsame Sache machten, wussten die anderen Klienten nicht.

Ein Zivilverfahren, das die SEC gegen Goldman Sachs angestrengt hatte, endete mit einem Vergleich. Die Investmentbank zahlte 550 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen. Aus dem Goldman-Vergleich flossen 150 Millionen Dollar an die deutsche Staatsbank KfW, die die IKB aufgefangen hatte.

Der Fall Tourre ist nicht nur wegen des berühmt gewordenen E-Mail-Verkehrs symbolträchtig - sondern auch, weil es infolge der Finanzkrise bislang kaum Urteile gegen einzelne Banker gegeben hat.