Filiale der Goldhandelsfirma Pro Aurum | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Nachfrage auf Rekordniveau Der große Run aufs Gold

Stand: 27.12.2021 10:51 Uhr

Goldige Zeiten: Auch in diesem Jahr waren glänzende Weihnachtsgeschenke wie Goldmünzen und Schmuck sehr beliebt. Die Nachfrage nach dem gelben Edelmetall boomt.

Die Lust der Deutschen auf Gold ist ungebrochen. Trieb im vergangenen Jahr vor allem die Corona-Krise und die gigantische Staatsverschuldung die Bundesbürger in das gelbe Edelmetall, so war es in diesem Jahr die hohe Inflation, die einen Goldrausch auslöste. Edelmetallhändler berichten von einem großen Ansturm auf ihre Filialen im Weihnachtsgeschäft. Steigende Inflation und anhaltende Pandemiesorgen hätten eine riesige Nachfrage ausgelöst, sagte ein Sprecher von Pro Aurum, einem der größten Goldhändler hierzulande.

Nachfrage zuletzt so hoch wie seit 2011 nicht mehr

Edelmetall-Experten rechnen mit einem Rekordjahr beim Verkauf von Goldbarren und -münzen. Das Niveau vom vergangenen Jahr mit einem Absatz von 157 Tonnen könnte noch übertroffen werden, glaubt der Geschäftsführer der Fachvereinigung Edelmetalle, York Tetzlaff. Bereits im ersten Halbjahr seien in Deutschland mehr als 90 Tonnen an Barren und Münzen umgesetzt worden, sagt er unter Berufung auf Daten des World Gold Councils. "Das war der höchste Umsatz seit 12 Jahren." Dieser Trend habe sich im zweiten Halbjahr fortgesetzt. Im dritten Quartal sei der Umsatz weiter angestiegen und habe mit 33,7 Tonnen das höchste Niveau seit 2011 erreicht, sagte Tetzlaff.

Weltweite Gold-Abflüsse

Während die Deutschen weiter unbeirrt Gold kaufen, sinkt die Nachfrage weltweit. Im dritten Quartal sank der globale Umsatz um sieben Prozent auf 831 Tonnen. Analystin Louise Street vom World Gold Council begründet dies mit Abflüssen aus Gold-ETFs in den USA und Großbritannien. Die Nachfrage nach Barren und Münzen sei indes weiterhin hoch, vor allem aus dem besonders inflationssensiblen Deutschland.

Der weltweite Goldpreis ist in diesem Jahr leicht gefallen - auf Dollarbasis. Eine Feinunze des gelben Edelmetalls kostet aktuell 1806 Dollar. Vor einem Jahr lag der Preis noch bei um die 1850 Dollar.

Gold in Euro gestiegen

In Euro gerechnet hat der Goldpreis dagegen zugelegt. Binnen eines Jahres hat sich das gelbe Edelmetall um knapp fünf Prozent auf fast 1600 Euro je Feinunze verteuert. Ob der Höhenflug in diesem Jahr weiter geht, bezweifeln Experten. Die Straffung der Geldpolitik und die Zinswende in den USA dürfte Gold unattraktiver machen. Denn das gelbe Edelmetall wirft keine Zinsen ab.

Keine Abgeltungssteuer bei Verkauf nach einem Jahr

Entscheidend wird sein, ob die Inflation so hoch bleibt wie zuletzt. Verharrt die Teuerungsrate in Deutschland bei vier bis fünf Prozent, dürfte die Angst vieler Bundesbürger vor einer schleichenden Geldentwertung anhalten.

Steuerlich ist der Kauf von Goldmünzen und -barren weiterhin attraktiv. Wer das physische Edelmetall ein Jahr hält und erst dann verkauft, kann die Gewinne steuerfrei einstreichen. Die Abgeltungssteuer von 25 Prozent fällt nach einem Jahr weg. Allerdings sollten Anleger bedenken, dass beim Erwerb von Goldmünzen oder -barren oft happige Gebühren anfallen. Ein südafrikanischer Krügerrand oder ein Wiener Philharmoniker kostet bei Edelmetallhändlern meist vier bis fünf Prozent über dem Ankaufspreis.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 12. Dezember 2021 um 12:30 Uhr.