Logos von General Motors und Opel

Bericht über Kehrtwende bei US-Konzern GM will sich offenbar nicht von Opel trennen

Stand: 25.08.2009 07:04 Uhr

Warum verzögert General Motors die Entscheidung im Bieterwettstreit um Opel? Laut einem US-Medienbericht will der Konzern Opel gar nicht mehr verkaufen und arbeitet an einem milliardenschweren Finanzierungsplan. Woher das Geld kommen soll, ist aber offen.

Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington

Wenn es stimmt, was das "Wall Street Journal" unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise meldet, dann könnte sich im Kampf um die Zukunft von Opel eine spektakuläre Kehrtwende anbahnen. Die monatelangen Verhandlungen mit interessierten Bietern könnten im Nichts enden, die deutsche Politik nach all ihren Bemühungen mit leeren Händen dastehen.

Es ist kein Geheimnis, dass es bei General Motors Personen gibt, die die europäischen Töchter Opel und Vauxhall eigentlich nie verkaufen wollten, sondern hofften, sie im Konzernverbund zu behalten. Das wurde aber eher als abwegige, schwer finanzierbare Option abgetan. Wenn jetzt tatsächlich intensiv an einem konkreten Finanzierungsplan gearbeitet würde, der bis Anfang September vorliegen soll, dann hätte das eine völlig neue Qualität.

Angeblich Finanzierungsplan über 4,3 Milliarden Dollar

Das "Wall Street Journal" berichtet, dass der GM-Verwaltungsrat von der Konzernspitze einen Finanzierungsplan angefordert hat, nachdem man sich bei der Sitzung am vergangenen Freitag nicht darauf einigen konnte, das Angebot eines der beiden Bieter Magna oder RHJI anzunehmen. Angeblich geht es bei dem Finanzierungsplan um eine Höhe von 4,3 Milliarden Dollar.

Das ist eine Menge Geld für einen Konzern, der gerade erst aus der Insolvenz gekommen ist. Zumal die Milliarden, die die US-Regierung in GM gepumpt hat, nicht für Opel verwendet werden dürfen. Spekuliert wird, dass GM die Summe nur zusammenbekommen kann, wenn es andere Geschäftsbereiche im Ausland verkauft, etwa in China. Von General Motors gab es zu all diesen Spekulationen zunächst keinen Kommentar.

Die Konzepte der Opel-Bieter

MAGNA/SBERBANK:
Der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna will Opel mithilfe der halbstaatlichen russischen Sberbank übernehmen. Das Konsortium, an dem die beiden Unternehmen je zur Hälfte beteiligt sind, will 55 Prozent der Opel-Anteile kaufen, 35 Prozent sollen weiterhin bei GM bleiben, mit weiteren zehn Prozent können sich die Opel-Mitarbeiter beteiligen. Magna und die Sberbank wollen eigenen Angaben zufolge 500 Millionen Euro in Opel investieren. Ihr Konzept sieht Staatshilfen von insgesamt 4,5 Milliarden Euro vor. Unstimmigkeiten mit GM gab es zuletzt vor allem in Patentrechtsfragen.

RHJI:
Der Finanzinvestor RHJI mit Sitz in Brüssel will Medienberichten zufolge etwas mehr als 50 Prozent von Opel kaufen. 39,9 Prozent des Rüsselsheimer Autobauers würden in den Händen von GM bleiben, zehn Prozent könnte die Belegschaft übernehmen. RHJI will demnach 275 Millionen Euro investieren und plant Staatshilfen von unter drei Milliarden Euro ein.

Die Hoffnungen der deutschen Politik, dass sich die US-Regierung bei GM für eine schnelle Verkaufslösung stark macht, sind bitter enttäuscht worden. Präsident Barack Obama ließ mitteilen, er habe nicht vor, sich in die Debatte einzumischen. Die unternehmerischen Entscheidungen müssten bei GM selbst getroffen werden.

US-Regierung lässt Bundesregierung abblitzen

Die deutsche Regierung hatte in den vergangenen Tagen verstärkt Druck Richtung Washington gemacht, unter anderem telefonierte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton. In amerikanischen Medien heißt es über das Telefonat, es sei ein sehr kurzes Gespräch gewesen. Ein Mitarbeiter des Außenministeriums sagte, Clinton habe erklärt, sie werde die deutschen Bedenken an das Finanzministerium weiterleiten. Das hört sich so an, als habe man die Bundesregierung eiskalt abblitzen lassen.

Amerikanische Medien werfen deshalb auch die Frage auf, welche Folgen das Tauziehen um Opel für das transatlantische Verhältnis haben könnte. Schließlich seien Deutschland und Russland, das ebenfalls ein Entscheidung zugunsten von Magna unterstützt, wichtige Handelspartner und würden in vielen politischen Fragen als Verbündete gebraucht.

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