EU-Kommissar Tonio Borg präsentiert zwei gesundheitsgefährdende Produkte.

EU-Bericht zu gesundheitsgefährdenden Produkten Wenn der Teddybär krank macht

Stand: 16.05.2013 15:43 Uhr

Puppen aus giftigem Kunststoff und T-Shirts mit hautreizenden Farben: Kontrolleure ziehen in Europa immer öfter gefährliche Produkte aus dem Verkehr. Die Fahnder meldeten im vergangenen Jahr 2278 riskante Waren, die die Gesundheit gefährden - das war ein Anstieg um mehr als 20 Prozent gegenüber 2011, wie die EU-Kommission in ihrem "Rapex"-Bericht mitteilte. Ein Grund für den Anstieg der Funde sind demnach bessere Kontrollen.

85 Prozent "ernsthaft gesundheitsgefährdend"

Am häufigsten schlugen die Prüfer bei Textilien Alarm. Jedes dritte beanstandete Produkt waren Kleidungsstücke, die Allergien auslösten oder krebserregende Stoffe enthielten. Fast ein Fünftel der Warnungen betraf gefährliche Spielzeuge, deren Teile etwa von Kindern verschluckt werden könnten. An dritter Stelle lagen Elektrogeräte - zum Beispiel mit defekten Netzteilen, die leicht Feuer fangen können oder Stromstöße erzeugen. Insgesamt wurden 85 Prozent der gelisteten Güter als "ernsthaft gesundheitsgefährdend" eingestuft.

EU-Kommissar Tonio Borg präsentiert zwei gesundheitsgefährdende Produkte.

EU-Kommissar Tonio Borg zeigte bei der Pressekonferenz einen Teddybären, dessen Jacke gefährliche Chemikalien enthält, die in der EU verboten sind.

Mehr als die Hälfte dieser Waren stammt nach wie vor aus China, einem der wichtigsten Handelspartner der EU. "Die hohe Zahl entspricht dem Handelsvolumen mit China", sagte Borg zur Begründung. Mehr als 90 Prozent aller in der EU verkauften Spielsachen komme aus chinesischer Produktion. Mit weitem Abstand folgen Produkte aus der Türkei und den USA. Immerhin drei Prozent der Waren kamen aus Deutschland.

Verbraucherschützer halten den Bericht für sehr sinnvoll, kritisieren aber, dass oft die Produkte erst dann kontrolliert würden, wenn sie bereits in den Geschäften angeboten werden. Sylvia Maurer Referentin für Produktsicherheit beim Verband der Europäischen Verbraucherzentralen fordert daher: "Die Überwachungsbehörden müssen hier sehr viel früher tätig werden, um sicherzustellen, dass gefährliche Spielzeuge, Elektrogeräte erst gar nicht im Geschäft und in den Regalen landen." Es brauche mehr Geld und bessere Strukturen, um Produkte schon beim Import in die EU zu testen.

Rückrufaktionen oder Verkaufsverbote

Hier waren die Tester besonders aktiv: Deutschland gab 167 Hinweise und lag damit an vierter Stelle. Wurde ein solches Produkt entdeckt, warnten die Behörden die Verbraucher mit Rückrufaktionen, nahmen die Produkte vom Markt oder verhängten Verkaufsverbote. Über die Datenbank "Rapex" warnen sich die EU-Staaten gegenseitig vor gefährlichen Produkten. Rapex umfasst Konsumgüter mit Ausnahme von Lebensmitteln und Medikamenten.

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KOMMENTARE

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DeHahn 16.05.2013 • 20:51 Uhr

Was für eine Überraschung!

Wie in der Schule, so auch im wirklichen Leben: wird Mist gebaut, dann gibt´s nen moralinsauren Vortrag. Und wenn dann - wie nicht anders zu erwarten - die Malaise weitergeht, müssen halt alle die Zeche zahlen. . Ein entsprechendes Realbeispiel aus dem Schulbetrieb: eine Schule war immer verdreckt. Wie wurde das Problem gelöst? Man machte einen Fotowettbewerb, wo die Fotos von der Verdreckung in einer Fotoecke ausgestellt wurden, zur Bewusstseinsbildung. Der Dreck blieb. . So lange Schummeleien mit Ermahnungen oder kleinen Ordnungsgeldern "geahndet" werden, wird sich nichts ändern. Würde man aber Betriebe genau kontrollieren und bei Verstößen konsequent schließen sowie die Verantwortlichen einlochen, würde man sehr schnell begreifen, dass es sich nicht lohnt, ein Risiko einzugehen.