Carlos und Carole Ghosn | Bildquelle: dpa

Ex-Konzernchef Ghosn Rauschende Hochzeit auf Kosten von Renault?

Stand: 07.02.2019 15:55 Uhr

Es war ein Fest wie zu Zeiten Marie-Antoinettes: die Hochzeit des ehemaligen Renault-Chefs Ghosn auf Versailles. Doch bezahlt hat womöglich der Autokonzern und schaltete nun deshalb die Justiz ein.

Der französische Autobauer Renault hat wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens seines inhaftierten Ex-Konzernchefs Carlos Ghosn die Justiz eingeschaltet. Im Rahmen eines Sponsoring-Vertrags mit dem Schloss Versailles sei eine Zahlung zum "persönlichen Vorteil" von Ghosn festgestellt worden, teilte das Unternehmen mit. Der Zeitung "Le Figaro" zufolge hatten Ghosn und seine Frau Carole im Oktober 2016 ihre Hochzeit im Schloss Versailles gefeiert. Die Kosten für den Mietvertrag seien jedoch über den Sponsorenvertrag mit Renault abgerechnet worden.

"Zusätzliche Prüfungen erfordert"

Renault war nach eigenen Angaben im Rahmen einer Ende November 2018 eingeleiteten Untersuchung auf den Vorfall aufmerksam geworden. Zuvor hatte der Autokonzern erklärt, bei der Bezahlung Ghosns für die Jahre 2017 und 2018 seien keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden.

Nun hieß es von Renault: "Die bisher gesammelten Elemente erfordern zusätzliche Prüfungen". Daher habe man entschieden, die Justizbehörden davon in Kenntnis zu setzen.

Renault hatte im Juni 2016 einen Sponsorenvertrag mit Schloss Versailles in Höhe von 2,3 Millionen Euro abgeschlossen. Der Vertrag ermöglicht Versailles, eine Reihe von Restaurierungen über Renault zu finanzieren. Das Unternehmen profitiert dagegen von Dienstleistungen von Renault.

Dazu zählte auch die Bereitstellung mehrerer Räumlichkeiten für ein Abendessen am 8. Oktober 2016, für das das Schloss 50.000 Euro in Rechnung stellte. Der Zeitung "Le Figaro" zufolge feierten an diesem Abend Carole und Carlos Ghosn ihre Hochzeitsparty im Schloss. Die völlig private Veranstaltung habe aber nichts dem Sponsoring von Renault zu tun, zitierte die Zeitung eine Quelle.

Schloss Versailles in Frankreich | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/a
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Die Hochzeitsfeier Ghosns und seiner zweiten Frau Carole in Versailles mit Kostümen im Marie-Antoinette-Stil hatte große öffentliche Aufmerksamkeit erregt.

Verhaftung wegen finanzieller Untreue

Ghosn war im November 2018 in Japan festgenommen worden. Die französische Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei dem Autohersteller Nissan deklariert, der mit Renault eine Allianz unterhält. Der frühere Manager soll auch persönliche Verluste auf Nissan übertragen haben. Ghosn bestreitet die Vorwürfe.

Der gebürtige Brasilianer war für die Zusammenlegung von Renault und den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi verantwortlich. Renault hatte zunächst an Ghosn als Konzernchef festgehalten. Auf Druck auch seitens der französischen Regierung trat Ghosn im Januar schließlich zurück. Frankreich ist mit 15 Prozent an dem Autokonzern beteiligt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Januar 2019 um 06:24 Uhr und am 24. Januar 2019 um 17:21 Uhr.

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