Carlos Ghosn | Bildquelle: AFP

Ex-Nissan-Chef Ghosn bleibt vorerst in U-Haft

Stand: 05.03.2019 17:18 Uhr

Die Freilassung des Automanagers Ghosn gegen Kaution ist vorerst gescheitert. Die Staatsanwaltschaft in Tokio legte Einspruch ein. Bis zu einer neuen Gerichtsentscheidung bleibt Ghosn in Haft.

Der Automanager Carlos Ghosn kommt vorerst doch nicht frei: Die japanische Staatsanwaltschaft erhob Einspruch gegen die Entscheidung eines Gerichts, den 64-Jährigen auf Kaution freizulassen. Damit bleibt Ghosn zunächst in Untersuchungshaft.

Ein Richter muss nun über den Einspruch der Staatsanwaltschaft entscheiden. Sollte er zugunsten von Ghosn entscheiden, könnte der frühere Top-Manager der Autoallianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi seine Gefängniszelle bereits am Dienstag verlassen.

Mitarbeiter der Presse warten auf die Freilassung des Automanagers Carlos Ghosn aus dem Gefängnis in Tokio. | Bildquelle: KIMIMASA MAYAMA/EPA-EFE/REX
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Die Presse wartet auf die Freilassung von Carlos Ghosn aus dem Untersuchungsgefängnis in Tokio.

Seit November in Haft

Das Bezirksgericht in Tokio hatte zunächst entschieden, dem Antrag der Verteidigung stattzugeben und Ghosn freizulassen. Die Kautionssumme war auf eine Milliarde Yen (7,9 Mio. Euro) festgesetzt worden. Der Automanager hatte auch die Auflage akzeptiert, dass an seinem Hauseingang eine Überwachungskamera installiert wird.

Der 64-jährige Ghosn, der Nissan vor der Pleite gerettet und zusammen mit Renault und Mitsubishi eine mächtige Autoallianz geschmiedet hatte, war am 19. November in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und später angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben.

Ghosn spricht von Komplott

Ghosn beteuerte seine Unschuld und vermutete ein Komplott gegen ihn. Nach mehreren gescheiterten Anträgen auf Freilassung gegen Kaution wechselte Ghosn seinen Anwalt aus. Der Jurist Junichiro Hironaka übernahm seine Verteidigung. Dieser hat schon mehrmals prominente Angeklagte vertreten und häufig Freisprüche erreicht.

Einen Termin für einen Prozess gegen Ghosn in Japan gibt es noch nicht. Bis dahin könnten noch Monate vergehen.

Carlos Ghosn bei der Präsentation eines Renault-Modells auf dem Pariser Autosalon (2010) | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstoc
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An solchen Tagen war seine Welt noch in Ordnung: Carlos Ghosn bei der Präsentation eines Renault-Modells auf dem Pariser Autosalon (2010)

Einst gefeierter Manager

Die japanischen Hersteller Nissan und Mitsubishi hatten Ghosn kurz nach der Verhaftung entlassen. Bei Renault trat der Manager später zurück. Auch der französische Konzern leitete Untersuchungen zu möglichen Unregelmäßigkeiten ein und will sie bis zum Frühjahr abschließen.

Jean-Dominique Senard übernahm den Präsidentenposten und ist auch für die von Ghosn entworfene Allianz verantwortlich. Wie das Autobündnis weitergeführt wird, ist noch unklar. In der Allianz mit Renault sei es wichtig, dass jeder Partner Eigenständigkeit besitze, sagte der neue Nissan-Chef Hiroto Saikawa jüngst.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. März 2019 um 09:00 Uhr.

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