DGB-Chef Reiner Hoffmann | Bildquelle: dpa

DGB und IG-Metall Gewerkschaften gegen Grundeinkommen

Stand: 30.04.2018 10:40 Uhr

Nicht zuletzt die Debatte über die Abschaffung von Hartz IV hat das bedingungslose Grundeinkommen wieder ins Gespräch gebracht. Die Gewerkschaften haben sich nun gegen eine solche "Alimentierung" ausgesprochen.

Finnland war das erste europäische Land, das den Versuch wagte: Im Januar 2017 startete dort das Projekt bedingungsloses Grundeinkommen - mit 2000 Arbeitslosen und 560 Euro monatlich steuerfrei. Ein Vorbild für Deutschland?

Die Gewerkschaften haben sich dagegen ausgesprochen. Beim DGB etwa hält man davon "gar nichts". Im ARD-Morgenmagazin sagte Gewerkschaftschef Reiner Hoffmann, wichtig sei Tarifbindung, dass Arbeitnehmer ordentliche Löhne bekämen. Arbeit, so Hoffmann weiter, sei zentral für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

"Abstellprämie" keine Perspektive für Gesellschaft

"Arbeit strukturiert Alltag, Arbeit bringt Identifikation, Kommunikation der Menschen", so Hoffmann. Das bedingungslose Grundeinkommen klinge eher nach "Abstellprämie", dass Menschen, die nicht mehr gebraucht würden, mit Almosen abgespeist würden. "Das kann nicht die Perspektive unserer Gesellschaft sein."

Auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sprach sich gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Die Menschen seien "nicht glücklich, wenn sie daheim sitzen und alimentiert werden", sagte Hofmann in der "Heilbronner Stimme". "Sie wollen arbeiten und das möglichst qualifiziert."

Mögliche Auswirkungen der Digitalisierung und des Technologiewandels in der Automobilbranche dürften nicht auf die Gesellschaft abgeladen werden, sagte der Gewerkschafter im Vorfeld des Tags der Arbeit. "Wir müssen uns bemühen, dass jeder Erwerbstätige auch in der Arbeitswelt von morgen eine Chance hat", forderte Hofmann. 

Mehrheit der Deutschen für Modellversuch

Um die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen, brauche es klare Ansagen in der Sozialpolitik. Es könne nicht sein, dass Beschäftigte, die durch den technologischen Wandel und die Globalisierung arbeitslos würden, "in die Mühle von Hartz IV geraten", sagte Hofmann weiter.

In einer Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem vergangenen September hatte sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung für Modellversuche zum Grundeinkommen auch in Deutschland ausgesprochen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. April 2018 um 10:02 Uhr.

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