Unter einem Weihnachtsbaum liegen eingepackte Geschenke | dpa

Corona-Weihnachten Deutsche schenken anders

Stand: 22.12.2020 08:22 Uhr

Viele Monate der Pandemie haben sich auch auf die Wunschzettel für Weihnachten ausgewirkt. Nicht nur Unterhaltungsektronik ist in diesem Jahr als Geschenk besonders gefragt.

Von Oliver Feldforth, hr

Smartphones, Computer, Tablets - das sind die Geschenke weit oben auf der Wunschliste der Jugendlichen, die auf Frankfurts Einkaufsmeile Zeil die letzten Stunden vor dem Shutdown verbringen.

Oliver Feldforth

Damit liegen sie voll im Trend, weiß Norbert Herzog, Experte für technische Konsumgüter beim größtem deutschen Marktforschungsinstitut GfK. Allein bei Monitoren habe es beim "Black Friday" Ende November ein Verkaufsplus von 76 Prozent gegeben. Aber auch Zubehör wie Keyboards und Computermäuse seien mit 67 Prozent Zuwachs stärker gefragt gewesen.

"In Corona-Zeiten wünschen wir uns alles, das wir für das Homeoffice brauchen", sagt Herzog. Aber auch Unterhaltungselektronik sei für den Lockdown-Abend auf dem heimischen Sofa stark gefragt.

Das Produkt scheint dabei im Vordergrund zu stehen - und nicht der Preis. Das sei die vergangenen Jahre schon so gewesen, sagen Verbraucherexperten.

Boom bei Küchenutensilien

"Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass die Menschen wieder deutlich mehr Freizeit zu Hause verbringen als üblich. Der Rückzug ins eigene Heim beeinflusst nun auch die Geschenkauswahl", sagt GFK-Expertin Petra Süpitz.

Das ist offenbar auch der Grund für den Boom der Küchenutensilien. Eine Steigerungsrate von 133 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bei allem, was mit der Zubereitung von Essen zusammenhängt, haben Experten errechnet. Selbst Gefrierschränke werden dieses Jahr um mehr als 70 Prozent stärker nachgefragt.

Schwieriges Geschäft der Juweliere

Auch Gesundheits-, Wellness- und Hygiene-Produkte sind laut GfK im Aufschwung. Voll im Trend seien Öfen mit Dampffunktion, aber auch Waschmaschinen, deren Dampf Viren und Bakterien in der Kleidung abtöten.

Seit Jahren sind Uhren und Schmuck als Geschenke beliebt. "Der Wunsch, mit etwas Wertvollem Freude zu machen, ist eigentlich zeitlos da", sagt Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland. Besonders hochwertiger Echtschmuck, Silber, Gold und Platin seien gefragt.

Allerdings führte schon der eingeschränkte Lockdown laut dem Verband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte bis September zu einem Umsatzrückgang von etwa 20 Prozent.

Virtueller Blick in die Vitrine

Mit den verschärften Corona-Auflagen versuchten viele Juweliere, ihr Geschäft zu retten - indem sie Stammkunden mit der Kamera zu den Vitrinen führten, Telefon- und Online-Beratung anboten, Ware zum Kunden brachten. Aber die Präsentation im Laden sei eigentlich unverzichtbar, sagt Verbandsgeschäftsführer Joachim Dünkelmann. "Das Bummeln am Bildschirm ersetzt das nicht, Schmuck ist ein sehr emotionales Produkt, die Kunden wollen das Material fühlen, die Lichtreflexionen betrachten."

Auch die Nachfrage bei Kleidung und Drogerieprodukten ließ nach. Wer nicht mehr jeden Tag ins Büro muss, braucht auch weniger Oberhemden und Make-up.

Ein ganz anderer zeitloser Trend indes könnte sich im Corona-Jahr als maßgeblich erweisen: gemeinsame Zeit zu verschenken statt Luxusgüter. Und so kommen selbst manche Lifestyle-Magazine in diesen Tagen zur Erkenntnis - "Zeit statt Zeug" ist 2020 oft das Motto.