Die Flaggen von China und Deutschland | Bildquelle: dpa

Deutsche Firmen in China Geschlossene Grenzen, schwere Zeiten

Stand: 29.09.2020 12:40 Uhr

Deutsche Firmen in China haben es in der Corona-Krise schwer: Reisebeschränkungen lähmen das operative Geschäft, dadurch entstehen Millionenverluste - doch die Regierung bleibt hart.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Thomas Schmidt weiß manchmal nicht, ob er lachen, weinen oder einen Wutanfall kriegen soll. Seit mehr als sechs Monaten sitzt der Unternehmer in Berlin - seine Firma mit Büros in Peking und Shanghai muss ohne ihn auskommen. Schmidt darf in China nicht einreisen.

"Das fühlt sich einfach nicht schön an. Man bildet sich ein, ich bin hier ein steuerzahlendes Mitglied der Gesellschaft, ich habe eine Firma, meine Firma zahlt Steuern, ich persönlich zahle Steuern", beklagt Schmidt. "Man gibt ja der Gesellschaft was und kommt sich dann so ein bisschen wie Gesellschaftsteilnehmer zweiter Klasse vor."

Probleme, die Firma am Laufen zu halten

Schmidt ist 53. Seinen richtigen Namen will er nicht nennen - er fürchtet geschäftliche Nachteile in seiner Wahlheimat. 25 Jahren lebte und arbeitete er in der Volksrepublik. Doch nun managt er seine kleine Technologie-Firma vom Laptop in einer Mietwohnung in Berlin-Friedrichshain aus; wegen des Zeitunterschieds meist sehr früh am Morgen, wenn es draußen noch stockdunkel ist. Visum und Aufenthaltserlaubnis für China sind längst abgelaufen.

Dass er nicht vor Ort sein kann, hat Folgen: "Wir hatten Probleme mit der Bank of China, wo ich als Geschäftsführer vorstellig werden muss, um bestimmte Verträge zu unterschreiben, zum Beispiel für die Auszahlung von Gehältern. Wir konnten auf einmal nicht mehr in Shanghai Gehälter auszahlen." Seine Firma habe administrative Probleme, die Firma am Laufen zu halten.

China gibt sich unbeirrt

Doch China blieb und bleibt hart - um eine zweite Corona-Welle zu verhindern. Gerade 114 Neuinfektionen wurden in der vergangenen Woche gemeldet - und die seien überwiegend von Reisenden eingeschleppt worden, heißt es. Die Folge: Die Grenzen bleiben weiter weitgehend dicht.

Zwar konnte die Außenhandelskammer Peking in den letzten Monaten viele Geschäftsleute mit ihren Familien per Charterflug nach China zurückbringen - aber längst nicht alle, und die bürokratischen Hürden waren hoch. Seit Montag gelten nun vorsichtige Einreise-Lockerungen. Wer in diesem Jahr bereits ein Geschäftsvisum oder eine Aufenthaltsgenehmigung hatte, aber wegen der Pandemie nicht reisen konnte, soll ins Land dürfen.

"Tropfen auf den heißen Stein"

Ein guter Schritt, aber letztlich ein "Tropfen auf den heißen Stein", sagt AHK-Geschäftsführer Jens Hildebrandt. Denn kurze Geschäftsreisen sind weiterhin kaum möglich - schon wegen der strengen Quarantäneregelungen.

"Der Großteil der Unternehmen, die noch in Deutschland sind, und die hierher müssen zum Warten von Maschinen, für Vertragsverhandlungen, für den Aufbau von Investitionen - die kommen weiterhin sehr beschränkt nur nach China rein." Schon jetzt summierten sich die Verluste wegen der Reisebeschränkungen auf mehrere hundert Millionen Euro, warnt Hildebrandt.

Steigende Corona-Zahlen dämpfen die Hoffnung

Für Schmidts Firma läuft es noch ganz gut, Existenzängste hat er nicht. Noch nicht. "Dass wir jetzt wachsen in der Zeit, kann man nicht sagen. Ich bin froh, dass wir uns halten." Schmidt schöpft seit Anfang der Woche dennoch Hoffnung - denn gerade Leute wie er, die normalerweise in China leben, sollen jetzt leichter wieder einreisen können. 

Doch die Mühlen der chinesischen Bürokratie mahlen langsam; Schmidts Koffer sind daher noch lange nicht gepackt. Die AHK Peking fordert derweil weitere Visa-Erleichterungen, auch für kurze und kurzfristige Geschäftsreisen. Doch dafür gibt es bislang keine Anzeichen - zumal die Corona-Zahlen in Deutschland und Europa weiter steigen.

Warten und hoffen: Geschäftsleute wollen zurück nach China
Ruth Kirchner, ARD Peking
29.09.2020 11:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. September 2020 um 06:41 Uhr.

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Ruth Kirchner, RBB

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