Gebrauchtwagen | picture alliance/dpa

Markt wie leergefegt Gebrauchtwagen teuer wie nie

Stand: 29.12.2021 15:38 Uhr

Wegen langer Wartezeiten und hoher Preise für neue Autos wichen viele Bürger auf Gebrauchtwagen aus. Doch auch diese sind inzwischen knapp - und kosten so viel wie nie.

Ob an verlassenen Straßen oder im Internet: Normalerweise ist die Auswahl an Gebrauchtwagen riesig. In Deutschland werden die meisten Autos gebraucht gekauft. Doch inzwischen ist selbst dieser Markt wie leergefegt. "Momentan haben wir weniger Gebrauchtwagen als Kunden", sagt Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). "Gebrauchte sind ein knappes Gut."

Teils kosten Gebrauchte sogar mehr als der entsprechende Neuwagen

Für die wenigen verfügbaren Gebrauchten müssen die Kunden mehr Geld auf den Tisch legen. Laut Peckruhn sind die Preise um fünf bis zehn Prozent gestiegen. Teilweise gebe es sogar junge Gebrauchte, die mehr kosten als die entsprechenden Neuwagen, die nur mit längerer Lieferzeit verfügbar sind.

Martin Weiss vom Marktbeobachter DAT (Deutsche Automobil Treuhand) schüttelt den Kopf. "Der Markt spielt verrückt", sagt er. Gebrauchtwagen seien derzeit so teuer wie nie. Sie kosten oft "fünf bis 15 Prozent mehr", weiß er. In Einzelfällen könne es auch deutlich mehr sein. Vor allem Diesel-Fahrzeuge würden deutlich teurer verkauft als in den ersten Jahren nach dem Dieselskandal.

Weniger Neuwagen, weniger Angebot

Schuld an der Preisexplosion im Gebrauchtwagenmarkt sind die Corona-Krise und der anhaltende Chipmangel. Weil 2020 pandemiebedingt weniger Neuwagen zugelassen wurden, fehlen diese jetzt. Zudem investierten Unternehmen und Autovermieter weniger in neue Dienst- und Mietwagen, die nach kurzer Zeit als Gebrauchtwagen weiterverkauft werden. Auch die Anzahl an Tageszulassungen wurde reduziert. "Es sind einfach sehr viel weniger Autos in den Markt gekommen", sagt ZDK-Vize Peckruhn.

Weil Autokäufer wegen des Chipmangels auf ein neues Fahrzeug bis zu einem Jahr warten müssen, greifen sie verstärkt zum Gebrauchtwagen. Dadurch wird das Angebot noch knapper.

Besserung nicht vor 2023 in Sicht

An dieser Situation dürfte sich auch im nächsten Jahr wenig ändern. "Die hohen Gebrauchtwagenpreise werden wir auch 2022 haben", prophezeit Peckruhn vom ZDK. Und auch Marktbeobachter Weiss rechnet frühestens 2023 mit einer allmählichen Normalisierung auf dem Markt.

Bereits im vergangenen Jahr waren die Gebrauchtwagenpreise stark gestiegen. Nach Berechnungen des DAT gaben die Deutschen im Schnitt 14.730 Euro für einen Gebrauchten aus - 18 Prozent mehr als 2019. Zum Vergleich: 2001 kostete ein Gebrauchtwagen durchschnittlich nur 8310 Euro, hat die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" herausgefunden.

Nur gebrauchte E-Autos und Plug-in-Hybride sind noch günstig

Allerdings haben sich nicht alle Bereiche des Gebrauchtwagenmarkts verteuert. "Bei Elektroautos sehen wir diese Steigerungen nicht", sagt Experte Weiss. "Hier sind die Gebrauchtwagenpreise weiterhin unter Druck". Das liege einerseits an der hohen Förderung für Neuwagen, andererseits daran, dass die Technik sich weiterentwickelt habe und die Kunden eher das Gefühl hätten, ein veraltetes Produkt zu kaufen. Auch Plug-in-Hybride haben sich nicht so stark verteuert.

Am teuersten sind Gebrauchtwagen beim Händler vor Ort sowie auf Internetplattformen wie Auto1 oder wirkaufendeinauto.de. Günstiger können Verbraucher einen Gebrauchten in Auktionen erwerben - oder über einen Privatkauf. Hier sollte man allerdings entsprechenden automobilen Sachverstand haben, sonst wird einem womöglich ein Gebrauchtauto mit Mängeln angedreht.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL RADIO am 29. Dezember 2021 um 08:20 Uhr.