GDL-Chef Claus Weselsky mit einem Plakat der Lokführergewekschaft | REUTERS

Tarifkonflikt GDL lehnt Bahn-Angebot als "Scheinofferte" ab

Stand: 06.07.2021 15:28 Uhr

Im Tarifstreit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn ist keine Entspannung in Sicht. Die GDL lehnte das jüngste Bahn-Angebot ab und sparte+ nicht mit Kritik. Die Bahn warf der GDL "Verweigerungshaltung" vor.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will im derzeitigen Tarifstreit mit der Deutschen Bahn vorerst nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren. Eine entsprechende Aufforderung des Konzerns, die dieser mit einem konkretisierten Angebot verbunden hatte, wies die Gewerkschaft zurück. "Es handelt sich weder um ein ernsthaftes noch um ein erweitertes Angebot", teilte GDL-Chef Claus Weselsky mit. Der Entwurf der Bahn sei eine "eine vor Falschbehauptungen nur so strotzende Scheinofferte".

GDL-Kritik an "Lügenbaron Seiler"

Das neue Angebot von Bahn-Personalvorstand Martin Seiler gehe nicht über bisherige hinaus und liege noch unter dem, was eine Schlichtung im vergangenen Jahr empfohlen habe. Es handele sich um "Fake News" des "Lügenbarons Seiler".

Die Arbeitgeberseite hatte die GDL am vergangenen Donnerstag zur Fortsetzung der Verhandlungen aufgefordert und dabei Vorschläge gemacht, zu welchen Zeitpunkten bestimmte Tarifstufen gelten könnten: 1,5 Prozent mehr Geld erhielten die Beschäftigten demnach ab Januar 2022. Ab März 2023 würden die Gehälter und Löhne dann um weitere 1,7 Prozent steigen. Mit dem Volumen von zusammen 3,2 Prozent orientiert sich die Bahn am Flughafen-Abschluss im Öffentlichen Dienst.

Die Gewerkschaft hingegen will, dass die Stufen schneller zur Anwendung kommen: Sie fordert inzwischen 1,4 Prozent mehr Geld schon für das laufende Jahr sowie 600 Euro Corona-Beihilfe. Bereits ab dem kommenden Jahr sollen Löhne und Gehälter dann um weitere 1,8 Prozent steigen. In dem Tarifkonflikt geht es außerdem unter anderem um Fragen der Altersvorsorge sowie Mobilitätsleistungen.

Streiks könnten näher rücken

"Die GDL wird sich indes nicht die Mühe machen, dem Arbeitgeber zu antworten", teilte die Gewerkschaft mit Blick auf das aktualisierte Angebot der Bahn mit. Die DB habe "jeglichen Bezug zur Realität verloren". 

Die GDL hatte vor gut vier Wochen die Tarifgespräche für gescheitert erklärt und eine Urabstimmung über Streiks angekündigt. Diese soll am 9. August ausgezählt werden. In der Erwartung eines klaren Votums der GDL-Mitglieder wird das Antwort genug an den Arbeitgeber sein", sagte Weselsky.

In der Fassade eines Bürohauses spiegelt sich der Turm des Berliner Hauptbahnhofs mit dem Logo der Deutschen Bahn. | dpa

Bahn-Kritik an der GDL: "Wer jetzt nicht an den Verhandlungstisch kommt, will keine Lösung." Bild: dpa

Scharfe Bahn-Kritik an Haltung der GDL

Die Deutsche Bahn kritisierte die Haltung der Gewerkschaft scharf. "Wer jetzt nicht an den Verhandlungstisch kommt, will keine Lösung und hat null Interesse, vernünftige Kompromisse zu finden", erklärte eine Sprecherin des Konzerns. Die Bahn bleibe "jederzeit an jedem Ort verhandlungsbereit". In der Tarifrunde müsse es darum gehen, angesichts der wirtschaftlichen Schäden durch die Corona-Pandemie "solidarische und vertretbare Lösungen zu finden".

Gleichzeitig wies die Bahn den Vorwurf zurück, das Angebot vom 1. Juli 2021 sei kein erweitertes Angebot.  Bei der jüngsten Offerte handele es sich sehr wohl um ein verbessertes Angebot. Die Beschäftigten erhielten damit früher mehr Geld.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juli 2021 um 15:00 Uhr in den Nachrichten.