Kinder und Erwachsene mit verschiedenen Schwimmhilfen in einer Schwimmhalle. | picture-alliance / DPPI

Handwerk zu Gasmangel Freizeitangebote zuerst abschalten

Stand: 07.07.2022 11:55 Uhr

Das Handwerk fordert, bei einer Gasnotlage Freizeitangebote als erstes vom Netz zu nehmen. Bundeswirtschaftsminister Habeck verspricht derweil, die Gasversorgung in Deutschland mit allen Mitteln sicherzustellen.

An Aufrufen dazu, Gas zu sparen, mangelt es zurzeit nicht. Der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, fordert gegenüber der Funke Mediengruppe, bei einer Gasnotlage als erstes Freizeitangebote abzuschalten. Alle müssten sich fragen, auf was sie zu verzichten bereit wären, damit "andere, wichtige Elemente in den Wertschöpfungsketten weiter mit Gas versorgt werden können".

"Dass hier möglicherweise zunächst Produkte und Angebote von Freizeitaktivitäten als erstes 'vom Netz' genommen werden sollen, halte ich für angemessen in einer solchen Ausnahmelage und angesichts des Ziels sicherzustellen, dass die Produktion und die Dienstleistungen für die Daseinsvorsorge aufrechterhalten werden können", so Schwannecke.

Wohnungsbesitzer sollen Heizungen überprüfen

Auch der Chef des Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte, dass im Falle einer Gasmangellage "Produkte und Angebote, die in den Freizeit- und Wohlfühlbereich fallen, eher nachrangig" seien. Handwerker sollen sich seiner Meinung nach vor allem auf Heizungen und die Warmwasserversorgung konzentrieren. Haus- und Wohnungsbesitzer hingegen sollten ihre Gasbrennwertkessel und Heizungen überprüfen und effizient einstellen lassen.

Wegen der angespannten Lage auf den Gasmärkten hatte die Bundesregierung vor zwei Wochen die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Die Alarmstufe ist die zweite von drei Eskalationsstufen und bringt noch keine staatlichen Eingriffe in den Gasmarkt. Erst mit Ausrufung der Notfallstufe als letztem Schritt der Eskalationsleiter würde die Bundesnetzagentur in einer Gasmangellage zuteilen, wer noch Gas bekommt.

Habecks "Whatever it takes"-Moment

Unterdessen will die Bundesregierung nach Aussage von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Gasversorgung in Deutschland mit allen Mitteln sicherstellen. Angesprochen auf einen möglichen Zusammenbruch des Marktes sagte Habeck gestern Abend im ZDF, das werde nicht passieren. "Das ist jetzt dieser Moment von 'Whatever it takes'", sagte er in Anlehnung an Äußerungen des ehemaligen Chefs der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi. Der Italiener hatte einst mit einem "Was auch immer notwendig ist" die Rettung des Euro versprochen.

Im Hinblick auf einen drohenden Totalausfall russischer Gaslieferungen betonte der Bundeswirtschaftsminister: "Wir sind nicht nur passiv. Wir müssen nicht staunend daneben stehen, was da passiert." Es sei schließlich auch gelungen, trotz um 60 Prozent abgesenkter Gaslieferungen die Versorgungssicherheit in Deutschland aufrechtzuerhalten. Allerdings müssten sich die Bürger auf einen teuren Winter einstellen.

Sparen bleibt Gebot der Stunde

Die Preiserhöhungen im Herbst und Winter 2022 und 2023 würden pro Haushalt "im vierstelligen Bereich liegen. Und das kann dann eben auch mal ein Monatseinkommen für eine Familie sein." Sparen bleibt nach Ansicht des Grünen-Politikers daher das Gebot der Stunde.

Um angesichts der Drosselung russischer Lieferungen Gas einzusparen, soll auch weniger Gas zur Stromproduktion genutzt werden - stattdessen sollen wieder mehr Kohlekraftwerke zum Einsatz kommen. Der Bundestag will dazu voraussichtlich heute am späten Abend über entsprechende Gesetzesänderungen abstimmen.