Interkommunales Hallenbad Geretsried | Lui Knoll

Gas-Notfallplan Bäder würden als erstes abgeschaltet

Stand: 18.05.2022 10:44 Uhr

Die Bundesnetzagentur hat Details genannt, wer im Fall eines russischen Gas-Lieferstopps in Deutschland noch versorgt würde - und wer nicht. Für Betriebe nennt Behördenchef Müller eine Verbrauchsgrenze.

Die Wohnung bleibt warm, das Schwimmbad bleibt zu - das sind zwei der Eckpunkte, die Klaus Müller, der Präsident der Bundesnetzagentur, für den Fall eines akuten Gasmangels nennt. Demnach würden private Haushalte als "geschützte Kunden" auch im Fall eines russischen Lieferstopps weiter mit Gas versorgt, ebenso wie Feuerwehr, Polizei, Krankenhäuser, Schulen, Kitas, Gefängnisse oder die Bundeswehr.

Auch Gewerbebetriebe mit einem Verbrauch von bis zu 1,5 Millionen Kilowattstunden Gas im Jahr müssten sich keine Sorgen machen, sagte Müller der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" - darunter fallen Bäckereien und Supermärkte.

Sechs Kriterien für die Industrie

In der Industrie dagegen werde die Versorgung im Notfall von sechs Kriterien abhängen. Beispielsweise würde die Netzagentur die Bedeutung eines Unternehmens für die Versorgung der Allgemeinheit bewerten. Das spiele zum Beispiel bei Lebensmitteln und Medikamenten eine Rolle, so Müller. Außerdem werde der volks- und betriebswirtschaftliche Schaden im Fall einer Abschaltung geprüft: In manchen Industrien - etwa bei der Keramikherstellern - gingen Produktionsanlagen kaputt, wenn sie nicht dauerhaft mit Gas versorgt werden.

Ein weiterer Aspekt seien Vorlaufzeiten. Einige Firmen bräuchten mehr Zeit, um geordnet herunterzufahren. "Wir berücksichtigen auch die Kosten und die Dauer für die Wiederinbetriebnahme", sagte der Netzagentur-Chef.

Viele Jobs hängen am Gas

Zudem soll die Größe des Unternehmens eine Rolle spielen. Ein Großteil des gesamten industriellen Gasverbrauchs in Deutschland entfalle auf Großverbraucher mit einem Verbrauch von mehr als zehn Megawattstunden pro Stunde. "Das sind etwa 2500 Betriebe", sagte Müller.

Freizeiteinrichtungen wie beispielsweise Schwimm- und Spaßbäder müssten sich als erste auf Abschaltungen einstellen. "Wenn es zur Notlage kommt, ist es einleuchtend, zunächst im Freizeitbereich einzugreifen, bevor wir Industriebetriebe reduzieren oder abschalten, an denen ja viele Arbeitsplätze und auch wichtige Produkte hängen", so der Behördenchef. Idealerweise komme es dazu aber gar nicht.

"Leben dann nicht mehr fröhlich und locker"

Die Kriterien in eine eindeutige Reihenfolge zu bringen, sei nicht möglich. "Wir müssen uns klar werden, dass die Gasmangellage eine echte Krise ist. Das Leben ist dann nicht mehr fröhlich und locker, und deshalb bin ich sicher, dass solche Eingriffe auf Verständnis stoßen würden", sagte Müller.

Im Fall eines Gas-Engpasses legt die Bundesnetzagentur fest, wer wie viel Gas bekommt. Die Behörde könnte auch etwa eine erhöhte Gasproduktion anordnen, Verbrauchsreduktionen bei nicht-geschützten Kunden oder die Ausspeicherung aus den Gasspeichern. Als eine der letzten Maßnahmen behält sich die Behörde vor, bei geschützten Kunden - also auch privaten Haushalten - eine Senkung des Verbrauchs anzuordnen. Die Gasspeicher in Deutschland sollen bis zum Beginn der kalten Jahreszeit allerdings wieder ordentlich gefüllt sein.

Mit Informationen von Hans-Joachim Vieweger, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 18. Mai 2022 um 10:39 Uhr.