Besucher der "Gamescom" in Köln mit VR-Brillen. | Bildquelle: dpa

Gamescom in Köln Mehr als nur Spiele

Stand: 21.08.2018 04:54 Uhr

Millionen Menschen zocken, ob auf dem Smartphone oder der Konsole. Meist aber Spiele, die aus dem Ausland kommen. Die deutsche Games-Branche fordert daher finanzielle Förderungen - und Anerkennung.

Von Jan Koch, WDR

Fußballweltmeister bei FIFA 18. Soldat in Call of Duty. Gangster in Grand Theft Auto. Es gibt zahllose Geschichten, die auf Konsole oder Smartphone erzählt werden können. Geschichten, hinter denen keine Filmemacher sondern Spieleentwickler stecken.

Immer mehr Deutsche zocken: 3,3 Milliarden Euro gaben sie laut aktuellem Branchenbericht vergangenes Jahr für Spiele, Konsolen, Soft- und Hardware aus. Den größten Anteil daran, 55 Prozent, macht der klassische Kauf von Computer- und Videospielen für PC, Spielekonsolen und Mobilgeräte aus. 1,22 Milliarden Euro haben Nutzer dafür ausgegeben.

Mit Umsatzzahlen beschäftigt sich Felix Falk als Geschäftsführer des deutschen Verbands der Games-Branche, "game", seit Jahren. Er berichtet: "Deutschland ist auf Platz fünf weltweit, was den Umsatz von Videospielen angeht. Allerdings entfallen nur 5,4 Prozent des Umsatzes, der mit Spielen hierzulande erzielt wird, auf Titel aus Deutschland. Das ist nochmal ein Prozentpunkt weniger als noch ein Jahr davor." Ein Problem, das Falk schon seit Jahren immer wieder auf den Tisch bringt. Es sei viel mehr möglich.

Felix Falk
galerie

Felix Falk wünscht sich eine bessere Förderung für Spieleentwickler.

Benedikt Grindel
galerie

"Deutschland hinkt der Videospielbranche hinterher", sagt Benedikt Grindel.

Nur wenige Unternehmen mit großen Titeln

Trotzdem gibt es immer wieder auch deutsche Titel, die international Erfolg haben. "Anno 1800" will so ein Erfolg sein. In dem Strategiespiel kommt es darauf an, aus einer kleinen Siedlung im Zeitalter der Industrialisierung eine pulsierende Metropole zu erschaffen. Eines der Spielehighlights, das auf der diesjährigen Gamescom, der größten Spielemesse Europas, präsentiert wird - entwickelt von der Firma "BlueByte" mit Sitz in Düsseldorf.

"Anno 1800" ist der neuste Teil der "Anno"-Reihe, die seit Ende der 1990er-Jahre produziert wird. Vorgängertitel wie "Anno 1602" oder "Anno  2205" konnten sich auch international durchsetzen. Benedikt Grindel, Managing Director von "BlueByte", weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist: "Die Videospielbranche ist einer der weltweit wichtigsten Märkte - wir hinken aber im Moment bei der Entwicklung noch weit hinterher. Nur wenige Unternehmen arbeiten an großen Titeln, die weltweit erfolgreich sind."

Start der Messe "Gamescom" in Köln
tagesschau 12:00 Uhr, 21.08.2018, Gudrun Engel, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Markt von internationalen Konzernen dominiert

Insgesamt entwickeln, programmieren und vertreiben 524 deutsche Firmen Spiele. Dominiert wird der Markt aber von internationalen Konzernen. Deutsche Entwickler beklagen fehlende Möglichkeiten international konkurrenzfähig zu sein.

Jörg Müller-Lietzkow lehrt an der Universität Paderborn und hat im vergangenen Jahr eine Studie rund um den deutschen Games-Markt herausgebracht - gemeinsam mit der Hamburg Media School. "Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran", stellt der Professor klar. "Es geht ja nicht nur um Games, sondern auch um das Potenzial, das nicht abgerufen wird. Deutsche Entwickler beschäftigten sich ja nicht nur mit Videospielen an sich, sondern auch mit der Technik rund herum: Mit Virtual Reality, mit künstlicher Intelligenz." Deutschland könne sich hier viel besser positionieren - mit der nötigen Förderung, ähnlich der Filmförderung. Unternehmen reichen ihre Ideen ein. Eine Jury bewertet diese Ideen und verteilt danach Gelder.

Gamescom in Köln | Bildquelle: REUTERS
galerie

Die Deutschen gaben 2017 insgesamt 3,3 Milliarden Euro fürs Gaming aus.

Plan im Koalitionsvertrag

Die Bundesregierung will diesem Wunsch nun nachkommen. Im neuen Koalitionsvertrag steht: "Wir stärken den Kreativ-, Film- und Medienstandort," unter anderem mit der "Einführung von Games-Förderung auf international wettbewerbsfähigem Niveau." Auf Länderebene gibt es bereits Fördermaßnahmen. Wie zum Beispiel in Baden-Württemberg. Seit 2011 fördert die Medien- und Filmgesellschaft des Landes neben Filmen auch Videospiele. Eine Jury entscheidet hier über die Anträge.

Der Branchen-Verband "game" pocht auf diese Zusage. Geschäftsführer Falk betont: "Wenn es neben den Länderförderprogramm bald nicht zu einem bundesweitern Förderungsprogramm kommt werden auf Dauer weniger Spiele und letztendlich auch weniger Techonologie in Deutschland entwickelt." Der Fonds solle laut Branchenverband 50 Millionen Euro jährlich beinhalten, dessen Zuschüsse automatisiert nach einem festen Mechanismus vergeben werden sollen. Mit dem Fonds soll die Entwicklung von Prototypen und Produktionen kleiner, mittlerer und großer Entwicklungsstudios gleichermaßen unterstützt werden. Ähnliches ist durch den Koalitionsvertrag vereinbart. Nur wann geht es los?

Antwort darauf weiß Dorothee Bär, Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung: "Im Herbst werden im parlamentarischen Verfahren entsprechende Aussagen darüber gegeben, wieviel Geld für Computerspiele in den Haushalt 2019 eingestellt wird." Aus diesem Grund sei es so wichtig, dass auch einfache und effektive Fördermechanismen geschafft werden. "Es werden bereits Maßnahmen eingeleitet, um die Gründungs- und Wachstumsfinanzierung von jungen innovativen Unternehmen und Start-Ups voran zu treiben und auf den Standort Deutschland weiter aufmerksam zu machen", sagt Bär. Im Bestfall könnten dann schon 2019 erste Fördergelder vergeben werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. August 2018 um 06:35 Uhr.

Darstellung: