Satellit im All

EU einigt sich auf Vergaberegeln für Galileo Eine Bodenstation für Spanien, Jobs für Deutschland?

Stand: 02.12.2007 10:07 Uhr

Der letzte Streitpunkt beim europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo war sehr irdischer Natur: Es ging um eine dritte Bodenkontrollstation in Spanien. Die wird zwar nicht gebraucht, trotzdem bekam Spanien seinen Willen. Galileo ist damit gerettet - und deutsche Firmen hoffen auf Aufträge.

Von Michael Becker, MDR-Hörfunkkorrespondent Brüssel

Galileo kann starten. 30 Satelliten sollen am Ende durchs All schwirren und die Daten für das europäische Navigationssystem liefern. Es soll unter anderem im Straßenverkehr, zur See und bei Rettungsdiensten zum Einsatz kommen, und auf den Meter genaue Positionsmeldungen liefern - so wie heute schon das amerikanische Navigationssystem GPS - aber eben besser.

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee

Die Einigung der EU-Staaten - für Verkehrsminister Tiefensee das "Sahnehäubchen".

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee überschlug sich regelrecht vor Freude darüber, dass es jetzt endlich soweit ist. Das sei das "I-Tüpfelchen" und das "Sahnehäubchen", dass nun wirklich alle 27 EU-Länder bei der Einigung über die Auftragsvergabe mit an Bord seien. Tiefensees Erleichterung dürfte stellvertretend sein für das, was alle in Brüssel empfunden haben.

Eine Bodenstation, die niemand braucht

Eigentlich war man schon in der vergangenen Nacht soweit gewesen. Doch dann hatten die Spanier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie wollten durchsetzen, dass eine Bodenkontrollstation in Spanien in das System eingebunden wird - zusätzlich zu den zwei geplanten Stationen im italienischen Fucino und in Oberpfaffenhofen bei München. Eine dritte Bodenkontrollstation, die niemand braucht - in diesem Punkt sind sich die Experten einig. Aber wenn es um Verteilungskämpfe geht, kann Europa eben sehr elastisch sein.

"Oberpfaffenhofen und Fucino sind gesetzt"

"Der Knackpunkt war, in welcher Weise ein drittes Kontrollzentrum eingebunden werden könnte" erklärte Tiefensee. Die Einigung gelang nun schließlich dadurch, dass die Spanier die Zusage für eine Einbindung ihrer Kontrollstation bekommen haben. Dabei ist noch völlig offen, was von dort aus überhaupt kontrolliert werden könnte. Mancher bezweifelt, dass die Station in Spanien am Ende überhaupt gebaut wird. Sicher sind nur zwei Dinge: Die Spanier müssen diese Station selbst finanzieren und das deutsche Zentrum in Oberpfaffenhofen muss keine Abstriche machen - das war Tiefensee besonders wichtig. "Oberpfaffenhofen und Fucino sind gesetzt und sind sicher als volle Kontrollzentren", bekräftigte der Minister.


Für den Bau der benötigten 30 Satelliten sowie der gesamten Infrastruktur des Projekts gibt es eine komplizierte Ausschreibung. Tiefensee zeigte sich überzeugt, dass Deutschland angemessen zum Zuge kommen werde. Beim Bau der Satelliten rechnen sich Astrium, eine Tochter des Raumfahrtkonzerns EADS mit Sitz am Bodensee, und das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB gute Chancen für lukrative Aufträge aus.

Das ganze Projekt kostet den europäischen Steuerzahler 3,4 Milliarden Euro. 2013 soll es dann endlich einsatzbereit sein, und damit mehr als fünf Jahr später als ursprünglich geplant. In Brüssel hofft man, dass nun alles reibungslos verläuft. Denn allen ist klar, dass Galileo bisher für Europa vor allem eins war: eine Riesenblamage.

Ein Mitarbeiter der EADS-Tochter Astrium im Werk in Friedrichshafen

Gilt als einer der Anwärter für Galileo-Aufträge: Die EADS-Tochter Astrium.