Ein Mann geht in Essen am Eingang einer Filiale der Kaufhauskette Kaufhof vorbei. | Bildquelle: dpa

Galeria Karstadt Kaufhof Bis zu 80 Kaufhäuser sollen schließen

Stand: 15.05.2020 17:47 Uhr

Die Corona-Krise trifft Galeria Karstadt Kaufhof empfindlich - das Unternehmen rechnet mit Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe. Offenbar sollen bis zu 80 Filialen geschlossen werden, Tausende Stellen könnten wegfallen.

Das Schutzschirmverfahren läuft bereits seit April - nun wird deutlich, wie hart die Corona-Krise der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof zusetzt: Übereinstimmenden Medienberichten zufolge sollen Dutzende Warenhäuser geschlossen und weitere Stellen abgebaut werden.

Nach aktuellem Diskussionsstand des gerichtlich bestellten Sachwalters Frank Kebekus und des Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz seien bis zu 80 der knapp mehr als 170 Kaufhäuser vom Aus bedroht, hieß es unter Berufung auf den Entwurf eines Sanierungskonzepts, der dem Gesamtbetriebsrat und den Gläubigervertretern vorgelegt worden sei.

Noch keine finalen Beschlüsse

Bis zu zehn Prozent der Stellen könnten demnach abgebaut werden - gespart werden soll den Berichten zufolge in erster Linie bei den Filialen von Karstadt-Sport, den Reisebüros und in der Essener Zentrale. Zudem werde mit den Warenhaus-Vermietern über Mietminderungen gesprochen. Finale Beschlüsse gibt es demnach noch nicht. Der Konzern erklärte, er wolle Spekulationen nicht kommentieren.

Das Sanierungskonzept für den angeschlagenen Warenhauskonzern soll bis Ende Juni fertig sein. Bis dahin bleibt den Beschäftigten noch Hoffnung: Die Zahl der Filialen, die dem Rotstift zum Opfer fallen, könne sich noch reduzieren, wenn Vermieter und andere Beteiligte zu Zugeständnissen bereit seien, meldete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf "informierte Kreise".

Die Geschäftsleitung hatte die Mitarbeiter bereits auf die Schließung von Warenhäusern und einen Abbau von Stellen eingestimmt. In einem Brief an die Mitarbeiter hieß es, Kebekus und Geiwitz gingen davon aus, "dass die vor uns liegende Sanierung weit entschlossener ausfallen muss, als wir alle uns das wünschen würden". Dazu zählten auch Standortschließungen und Arbeitsplatzabbau.

Ver.di: Corona-Krise nur ein Vorwand

Galeria Karstadt Kaufhof kämpfte schon vor der Corona-Krise mit wirtschaftlichen Problemen. Umso härter trafen die Warenhauskette die Auswirkungen der Pandemie. Der Konzern habe während der Zeit der Komplettschließungen mehr als eine halbe Milliarde Euro an Umsatz verloren, berichtete die Konzernführung in ihrem Mitarbeiterbrief. Die Umsätze der letzten acht Wochen, darunter das wichtige Ostergeschäft, fehlten, der Rückstand sei nicht aufzuholen. "Insgesamt dürfte sich der Umsatzverlust auf bis zu einer Milliarde Euro erhöhen", räumte die Geschäftsleitung ein.

"Filialschließungen und Personalabbau sind keine Strategie", kritisierten der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft ver.di. Ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger warf dem Konzern vor, einen "Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten" zu planen. Es habe den Anschein, dass die Unternehmensleitung und der Eigentümer die Corona-Krise missbrauchen würden, "um ihre ursprünglichen Planungen von Standortschließungen und Entlassungen doch noch umzusetzen", sagte die Gewerkschafterin.

Noch kurz vor Weihnachten hatte die Gewerkschaft mit dem Konzern einen Sanierungstarifvertrag abgeschlossen, der unter anderem eine Standort- und Beschäftigungssicherung enthielt. Seitdem Galeria Karstadt Kaufhof unter dem Eindruck der Corona-Krise Anfang April seine Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchte, ist der Vertrag jedoch Makulatur.

Konsequenzen für Innenstädte befürchtet

Eine Schließungswelle werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben, warnte Nutzenberger. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht: "Denn die Warenhäuser in den Städten sind Ankerstandorte. Sie sind der Schlüssel für Frequenz und für die Ansiedlung von weiteren Einzelhandelsbetrieben", sagte Nutzenberger.

Auch Vertreter von Verbänden befürchten, dass es mit dem Schrumpfen des Galeria Karstadt Kaufhof-Netzes nicht sein Bewenden hat. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte angesichts der Schließungspläne vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte: "Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte wäre ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen. Portz appellierte an den Warenhauskonzern, die Kommunen und die Vermieter, gemeinsame Lösungen zu suchen, um ein Überleben der Kaufhäuser zu sichern.

Kahlschlag bei Galeria Karstadt Kaufhof
Denise Friese, WDR
15.05.2020 18:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2020 um 20:00 Uhr.

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