Kommentar

Galeria Karstadt Kaufhof Es kommt wohl noch schlimmer

Stand: 19.06.2020 18:01 Uhr

Die Filialschließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof sind nicht nur für die Beschäftigten eine Katastrophe - auch die betroffenen Innenstädte gehören zu den Verlierern.

Ein Kommentar von Wolfgang Landmesser

Es ist ohne Frage ein herber Einschnitt: Über 60 Warenhaus-Standorte in Deutschland werden verschwinden. Das wird viele Städte und Stadtteile hart treffen, die ohnehin gegen die Verödung ihrer Fußgängerzonen ankämpfen. Für die Beschäftigten, die ihren Job verlieren, ist es sowieso eine Katastrophe.

Aber leider ist es wahrscheinlich, dass es in den nächsten Jahren noch viel schlimmer kommt. Corona ist bei weitem nicht das einzige Problem des Handelsmodells Warenhaus. Klar: Eine Milliarde Euro Umsatzverlust wegen der Pandemie – so die Kalkulation der Galeria-Insolvenzverwalter - würde so ziemlich jede Firma an den Rand der Pleite katapultieren. Aber im Fall von Karstadt-Kaufhof liegen die Probleme tiefer. Die großen Kaufhäuser sind schon seit Jahrzehnten in der Krise. Es gibt sogar Handelsexperten, die sagen: Nach 150 Jahren ist das Warenhaus definitiv am Ende.

Im Fall von Karstadt-Kaufhof kommen katastrophale Management-Fehler dazu. Speziell Karstadt, vom vermeintlichen Heilsbringer Thomas Middelhoff zwischenzeitlich in Arcandor umbenannt, hat schlimm gelitten. Middelhoff war groß in spektakulären Deals - wie dem Verkauf der besten Warenhaus-Standorte. Bürdete dem klassischen Warenhaus-Geschäft aber im Gegenzug viel zu hohe Mieten auf. Im Vergleich zu den tendenziell sinkenden Verkäufen. 

Leider ist der Tod des Warenhauses alles andere als aus der Luft gegriffen: Damit sich die riesigen Warenhaus-Flächen rentieren, müssen genügend Kunden kommen. Aber die sind schon in Scharen ins Internet abgewandert, kaufen in Online-Shops ein - und kommen vermutlich auch nicht mehr zurück. Oder wenn, nur sporadisch. Im Internet gibt es mit ein paar Klicks unendliche Einkaufswelten. Bei  dieser Produkt-Vielfalt können die Warenhäuser nicht mithalten.

Ihre einzige Chance ist es, ein Erlebnis zu schaffen, dass es im Internet nicht gibt - durch moderne Flächen, spektakuläre Präsentationen, besondere Events. Interessanterweise scheint genau das der Plan der Sanierer von Karstadt-Kaufhof zu sein: Sie schließen nicht nur Standorte und entlassen Mitarbeiter. Sie wollen auch viele Millionen in die Modernisierung der übrig bleibenden Warenhäuser stecken. Experten zweifeln zurecht: Wenn das Warenhaus so zu retten wäre, warum ist es nicht schon in den letzten Jahren passiert?

Einen Versuch ist es trotzdem wert. Das Warenhaus ist aus vielen Innenstädten nicht wegzudenken. Wenn es stirbt, fehlt dessen zugegebenermaßen schwache Magnetfunktion. Und das bedroht auch die Existenz vieler kleinerer Geschäfte. Es bleibt also die Hoffnung, dass das klassische Kaufhaus - mit den richtigen Konzepten - überlebt. Und das an möglichst vielen Standorten.

  

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juni 2020 um 17:38 Uhr.

Darstellung: