Nordrhein-Westfalen, Köln, Das Logo einer Kaufhof-Filiale ist am Morgen unbeleuchtet | dpa

Galeria Karstadt Kaufhof Bangen vor Mitarbeiterversammlung

Stand: 19.06.2020 15:41 Uhr

Klar ist jetzt schon: Dutzende Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof und wohl auch Karstadt Sports müssen wegen der wirtschaftlichen Corona-Folgen endgültig schließen. Details erfahren die Mitarbeiter am Nachmittag.

Die Geschäftsführung von Galeria Karstadt Kaufhof will die Mitarbeiter laut Informationen der Nachrichtenagentur dpa am frühen Nachmittag über die Schließungspläne für 62 der 172 Filialen und zwei "Schnäppchencenter" informieren. Schon etwas früher sollen die Führungskräfte Details erfahren.

Laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen zudem 20 Karstadt-Sports-Filialen geschlossen werden. Letzte Verhandlungen zwischen Management und Arbeitnehmervertretern liefen aber noch.

Einige Filialen, die laut Medienberichten geschlossen werden

Berlin (Charlottenburg, Gropius-Passagen, Hohenschönhausen, Ringcenter, Tempelhof und Wedding), Bielefeld, Bonn, Braunschweig, Bremen, Bremerhaven, Chemnitz, Dessau-Roßlau, Dortmund, Düsseldorf (Schadowstraße und Wehrhahn), Essen, Frankfurt/Main (Hessen-Center und Zeil), Fulda, Gütersloh, Hamburg (Alstertal Einkaufszentrum, Bergedorf, Mönckebergstraße und Wandsbek), Hannover, Ingolstadt, Köln-Weiden, Leverkusen, Lübeck, Mainz, Mannheim, München (Nordbad, OEZ und Stachus), Mönchengladbach-Rheydt, Nürnberg (Langwasser und Lorenzkirche), Osnabrück, Potsdam, Stuttgart/Bad Cannstatt

6000 Stellen sollen wegfallen

Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di sollen durch die Schließungen und weitere Sparmaßnahmen rund 6000 der 28.000 Stellen bei dem Konzern wegfallen. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar signalisiert, dass bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten. Doch wurde durch Zugeständnisse von Vermietern und Beschäftigten offenbar noch Schlimmeres verhindert.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil rief die Beteiligten dazu auf, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. "Ich erwarte, dass von pauschalen Kürzungsplänen auf dem Rücken der Beschäftigten Abstand genommen wird", sagte der SPD-Politiker. Eigner und Gläubiger seien in der Pflicht, keine "radikalen Abbaupläne" zu verfolgen, sondern in den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu investieren.

Ver.di hofft sogar, die Zahl der Schließungen noch weiter senken zu können. "Wir werden mit aller Kraft für den Erhalt der Standorte und die Zukunft der Beschäftigten kämpfen. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagte das Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Hier sei auch die Politik gefordert.

Sozialplan vorgesehen

Die Schließungspläne sind Teil einer Einigung auf einen Sanierungstarifvertrag zwischen Management, Betriebsrat und der Gewerkschaft ver.di. Für die betroffenen Arbeitnehmer soll es einen Sozialplan geben. Bestandteil ist auch eine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen müssen. Zudem wurden tarifliche Regelungen für die Beschäftigten getroffen, die im Unternehmen bleiben.

Nach Einschätzung der Unternehmensführung sind die Schließungen der einzige Weg, um das Unternehmen zu retten. Man wisse, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeute, sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. Aber die betroffenen Filialen gefährdeten das gesamte Unternehmen.

Seit April unter dem Schutzschirm

Der Handelsriese war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Galeria Karstadt Kaufhof rechnet durch die Pandemie und den durch sie ausgelösten Konjunkturabschwung bis Ende 2022 mit Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro.

"Die Warenhäuser sind systemrelevant"

Auch in vielen Kommunen dürfte die Bekanntgabe mit Unruhe erwartet werden. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor einer Verödung vieler Innenstädte. "Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er der dpa. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen.

Die Gewerkschaft ver.di warnte damals ebenfalls, eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Juni 2020 um 11:40 Uhr in der Wirtschaft.