Der Vorstand der Deutschen Telekom | Bildquelle: picture alliance / Oliver Berg/d

Chefetagen deutscher Unternehmen Frauen kommen voran - aber nur langsam

Stand: 08.01.2019 13:41 Uhr

Es ist ein langsamer Wandel: Immer mehr Frauen schaffen es laut einer Studie in die Topetagen der deutschen Wirtschaft. Allerdings sind Managerinnen immer noch selten. Vor allem im Handel ist der Anteil gering.

Es gibt immer mehr Spitzenmanagerinnen in Deutschland. Allerdings vollzieht sich der Wandel nur langsam. In den 160 Konzernen aus den Börsenindices Dax, MDax und SDax arbeiteten zum Stichtag ersten Januar 2019 insgesamt 61 Managerinnen im Vorstand. Das sind elf Frauen mehr als vor einem Jahr. Der Frauenanteil in den Führungsgremien stieg damit binnen Jahresfrist von 7,3 auf 8,6 Prozent. Das ergab eine Auswertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Untersuchung im Jahr 2013.

Besonders häufig sind Frauen in den Chefetagen von Telekommunikationsunternehmen anzutreffen, wo ihr Anteil bei 16 Prozent liegt. An zweiter und dritter Stelle folgen die Finanzbranche mit 13 Prozent und Logistikunternehmen mit zwölf Prozent. Im Handel, wo besonders viele Frauen arbeiten, liegt der Frauenanteil in der Führungsetage hingegen gerade einmal bei drei Prozent.

Saori Dubourg | Bildquelle: picture alliance / Uwe Anspach/d
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Saori Dubourg ist Vorstandsmitglied der BASF SE

Kathrin Menges | Bildquelle: picture alliance /
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Kathrin Menges ist Vorstandsmitglied bei Henkel

Claudia Nemat | Bildquelle: picture alliance /
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Claudia Nemat ist Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom

Immer noch Männerdomäne

Zwei Drittel aller Unternehmen weiterhin ausschließlich von Männern geführt. "Frauen sind in deutschen Vorständen immer noch eine Seltenheit", kritisierte EY-Expertin Ulrike Hasbargen.

Das männliche Übergewicht in den deutschen Chefetagen birgt ihrer Ansicht nach Probleme: "Es mag zunächst etwas anstrengender sein, in gemischten Teams zu arbeiten - aber die Reibung, die hier entsteht, die Diskussionen und das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Sichtweisen führen eben auch oft zu neuen Lösungen und zu mehr Innovationskraft", so Hasbargen.

Natürlich sei es wichtig, in Deutschland bessere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, sagt die EY-Expertin. Aber ebenso wichtig sei ein Umdenken in den Unternehmen und im meist männlich besetzten Top-Management. Angesichts des demografischen Wandels, der das Reservoir an Arbeitskräften in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen lasse, habe Deutschland ohnehin keine andere Wahl, als verstärkt auf Frauen auch in Führungspositionen zu setzen.

DGB: "Nur verbindliche Vorgaben wirken"

Wenn es darum gehe, Frauen auf allen Ebenen in Führungspositionen zu bringen, werde einmal mehr deutlich, dass "nur verbindliche Vorgaben wirken", erklärt die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke Hannack. Wo die gesetzlich vorgeschriebene Quote gelte, greife sie auch. "Aber leider zeigt sich mit Blick auf die männerdominierten Vorstände erneut, dass freiwillige Zielvereinbarungen von den Verantwortlichen nicht ernst genommen werden", kritisiert Hannack. Nötig seien Sanktionen dort, wo Regeln nicht eingehalten würden. Das müsse von den Koalitionspartnern umgesetzt werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Januar 2019 um 14:41 Uhr.

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