Eine Frau arbeitet auf einer Baustelle | Bildquelle: picture alliance / PantherMedia

Studie zur Gleichstellung Frauen holen auf, aber nicht beim Gehalt

Stand: 26.02.2020 07:52 Uhr

Frauen haben in den vergangenen Jahren bei der Erwerbstätigkeit zu Männern aufgeschlossen - es gibt aber immer noch Hindernisse. Das geht aus einem Bericht der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Beim Gehalt klafft immer noch eine Lücke.

Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist weiter deutlich gestiegen. Sie lag laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im Jahr 2018 bei 72 Prozent. Bei den Männern betrug sie knapp 80 Prozent. Im Jahr 1991 hatte der Unterschied zwischen Männern und Frauen noch 26 Prozentpunkte betragen, stellte das Insitutut in seinem neusten Datenreport fest.

Trotz Fortschritten in Sachen Gleichstellung verdienen berufstätige Frauen aber in Deutschland weiterhin im Durchschnitt weniger.

Eine Labormitarbeiterin mit einem Flüssigkeitsbehälter in der Hand | Bildquelle: dpa
galerie

Frauen haben in den vergangenen Jahren beruflich zu Männern aufgeschlossen - verdienen aber immer noch weniger als Männer.

Unbezahlte Arbeit im Haushalt oft Grund

Ein wesentlicher Grund für die Unterschiede ist den Angaben zufolge die ungleiche Aufteilung der unbezahlten Arbeit in Familie und Haushalt - etwa für Kinderbetreuung und Pflege. Bei Frauen macht die unbezahlte Arbeit den aktuellen Zahlen zufolge 45 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit aus. Bei Männern sind es nur 28 Prozent.

Um Familie und Erwerbsarbeit unter einen Hut zu bringen, arbeiten Frauen statistisch gesehen gut viermal so häufig in Teilzeit wie Männer. Von den Beschäftigten, die ausschließlich einen Minijob haben, sind 62 Prozent weiblich.

Frauen weiter in "typischen weiblichen Berufen"

Eine weitere Ursache für den Verdienstrückstand sind nach Angaben der WSI-Wissenschaftler sehr stabile geschlechtsspezifische Präferenzen bei der Berufswahl. So übten Frauen nach wie vor "typisch weibliche" Berufe aus, etwa im Pflege- und Gesundheitsbereich, die meist schlechter bezahlt werden als technische Berufe, in denen Männer dominieren. 25 Prozent der weiblichen Beschäftigten mit Vollzeitstelle verdienten weniger als 2000 Euro brutto im Monat, bei den Männern seien es 14 Prozent.

Eine alte Frau läuft bei einer Pflegerin untergehakt über einen Krankenhausflur. | Bildquelle: dpa
galerie

Berufe, etwa hier im Pflegebereich werden meist schlechter bezahlt als von Männern dominierte technische Berufe.

Lücke bei Absicherung im Alter

Eine "gravierende" Lücke konstatiert der WSI-Bericht weiterhin bei der Absicherung im Alter: Bei gemeinsamer Betrachtung sowohl der gesetzlichen Rente als auch betrieblicher und privater Alterssicherung beziehen Frauen demnach im Schnitt ein um 53 Prozent niedrigeres Alterseinkommen als Männer. 

Anfang der 1990-er Jahre hatte diese Kluft allerdings noch 69 Prozent betragen. "Diese Entwicklung zeigt beispielhaft: Der Rückstand der Frauen wird in wichtigen Bereichen kleiner", erklärte WSI-Forscherin Karin Schulze Buschoff. "Aber Fortschritte bei der Gleichstellung vollziehen sich meist sehr langsam" fügte sie hinzu.

Um die Gleichstellung weiter zu fördern, sprechen sich die Studienautoren unter anderem für größere Anreize für Männer aus, in stärkerem Maße als bislang Sorgearbeit zu übernehmen - etwa durch eine Erweiterung der Partnermonate im Elterngeld auf sechs Monate.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Februar 2020 um 07:30 Uhr.

Darstellung: