Französische Fischereifahrzeuge protestieren vor dem Hafen von St. Helier (Jersey, Kanalinseln). | dpa

Fischereistreit mit Großbritannien Frankreich droht mit Vergeltungsmaßnahmen

Stand: 30.09.2021 02:26 Uhr

Der Streit um Fischereirechte zwischen Frankreich und Großbritannien ist wieder aufgeflammt. Die britische Kanalinsel Jersey verweigerte französischen Fischern notwendige Lizenzen. Frankreich erwägt Vergeltungsmaßnahmen.

Der Streit zwischen Großbritannien und Frankreich über die Fischerei-Rechte im Ärmelkanal nach dem Brexit nimmt kein Ende: Die Kanalinsel Jersey genehmigte nach eigenen Angaben 95 zusätzliche Lizenzen für französische Fischerboote, darunter 31 für eine befristete Zeit. Wie die Behörden der Insel im Ärmelkanal weiter mitteilten, wurden indes 75 Anträge abgelehnt.

Frankreich reagierte erbost darauf, dass nicht alle beantragten Lizenzen genehmigt wurden und drohte mit mit Vergeltungsmaßnahmen. Regierungssprecher Gabriel Attal sprach von "vollkommen inakzeptablen und unzulässigen Entscheidungen". Das Vorgehen von Jersey widerspreche den im Zuge des Brexit getroffenen Vereinbarungen. Die französische Regierung werde mit der EU-Kommission zusammenarbeiten, "um in dieser Frage Fortschritte zu erzielen und auch mögliche Vergeltungsmaßnahmen zu prüfen", sagte Attal.

Fischerei in "britischer Geiselhaft"

"Es ist eine erneute Weigerung der Briten, die Bedingungen des Brexit-Abkommens trotz unserer gemeinsamen Arbeit umzusetzen", sagte Meeresministerin Annick Girardin. "Die französische Fischerei sollte nicht aus politischen Gründen von den Briten in Geiselhaft genommen werden."

Girardin ging noch einen Schritt weiter: "Ich zähle darauf, dass die anderen europäischen Länder das Gleiche fordern wie Frankreich, denn was Frankreich heute erlebt, werden auch andere erleben", sagte sie nach einem Treffen mit Vertretern der Branche. Alle ihre Kabinettskollegen seien zudem aufgefordert worden, "die möglichen französischen Vergeltungsmaßnahmen zu identifizieren", von der "Energiefrage" bis zu den "Handelsströmen".

Der französische Europa-Staatssekretär Clément Beaune kündigte eine schnelle Antwort auf das Nichteinhalten der garantierten Rechte für die Fischer an. "Wir werden in den nächsten Tagen die Gegenmaßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene bestimmen."

Streitthema Fischereirechte

Die Insel Jersey liegt rund 30 Kilometer vor der Küste der Normandie, ihre Gewässer gelten als besonders fischreich. Das von der EU ausgehandelte Post-Brexit-Abkommen sieht vor, dass europäische Fischer weiterhin in bestimmte britische Gewässer fahren können, sofern sie eine Lizenz erhalten. Diese wird ihnen erteilt, wenn sie nachweisen können, dass sie schon zuvor dort gefischt haben.

Die nun genehmigten 95 Lizenzen kommen demnach zu den Genehmigungen für 47 Boote hinzu, die bereits seit Anfang des Jahres erteilt worden waren. Wer gar keine Lizenz hat, muss das Fischen in den Gewässern vor Jersey demnächst einstellen, dann läuft eine Interimsregelung aus.

Die Fischereirechte waren einer der Knackpunkte in dem Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien, das seit dem 1. Mai vollständig in Kraft ist. Die Briten müssen demnach in ihren Gebieten nur solche Fischerboote zulassen, die dort bereits seit 2012 aktiv sind. Die französischen Fischer beklagen, dass dies nicht leicht nachzuweisen sei. Im Mai war der Streit um die Fischereirechte kurzzeitig eskaliert: Dutzende französische Fischkutter drohten mit einer Blockade des Hafens von Saint Helier auf Jersey. Die britische Regierung schickte daraufhin Kriegsschiffe in das Seegebiet. Frankreich entsandte ebenfalls die Marine.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. September 2021 um 08:00 Uhr.