Logo von Ford | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Nach 100 Jahren Ford verabschiedet sich aus Brasilien

Stand: 12.01.2021 14:03 Uhr

Der US-Autobauer Ford reagiert auf die seit langem kriselnden Geschäfte in Südamerika und stellt die Produktion in Brasilien vollständig ein. Eine fast hundertjährige Geschichte geht zuende.

Ford beendet nach mehr als 100 Jahren Präsenz die Produktion in den drei noch in Brasilien verbliebenen Werken. Die Schließungen seien Teil eines elf Milliarden Dollar umfassenden Restrukturierungsprogramms, den das damalige Management bereits im Jahr 2019 vorgestellt hatte, teilte ein Sprecher mit.    

Das internationale Geschäft des Autobauers steckt schon länger in Schwierigkeiten. Ford verdiente zuletzt nur noch Geld im US-Heimatmarkt. Auch Südamerika ist für das US-Unternehmen ein Problemgebiet. In den ersten neun Monaten 2020 fiel dort ein Betriebsverlust von 386 Millionen Dollar an. In Europa betrug das Minus vor Steuern und Abschreibungen sogar 1,25 Milliarden Dollar.

Ein tragfähiges Geschäft aufbauen  

In Brasilien verkaufte Ford eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund ein Viertel weniger Autos als 2019. Erst 2023 werde wieder das Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 erreichen, erklärte das Unternehmen.

Ford CEO Jim Farley
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Ford-Vorstandschef Jim Farley: Schließung eine "schwierige, aber notwendige" Aktion

Die Schließungen seien schwierige, aber notwendige Aktionen, um ein gesundes und tragfähiges Geschäft aufzubauen, lässt sich Ford-Chef Jim Farley in der Unternehmensmitteilung zitieren. Sie führen nach Unternehmensangaben insgesamt zu Belastungen in Höhe von rund 4,1 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) vor Steuern. Farley übernahm den Posten als Vorstandschef im Oktober 2020.

5000 Mitarbeiter betroffen

Insgesamt sind rund 5000 Mitarbeiter betroffen. Die Werke in Camaçari im Bundesstaat Bahia und Taubaté im Bundesstaat Sao Paulo sollen sofort geschlossen werden, die Produktion der Sparte Troller in Horizonte im Bundesstaat Ceará soll noch einige Monate weitergehen. "Das ist ein sehr harter Schlag für uns", sagte Gewerkschaftschef Julio Bonfim in einer Videobotschaft an die Arbeiter. "Wir hätten nie erwartet, dass Ford seine Fabriken in Brasilien schließt."

Lyle Watters, der Präsident von Ford South America, kündigte an, ernsthaft mit Gewerkschaften, Angestellten und anderen Interessengruppen zusammenzuarbeiten. Es sollen Maßnahmen entwickelt werden, die dabei helfen, mit den Folgen der Entscheidung zurechtzukommen.    

Brasiliens Wirtschaftsministerium bedauerte die Entscheidung von Ford. Diese stehe im Widerspruch zu der starken Erholung, die in den meisten Industriezweigen des Landes zu beobachten sei.

Ford-Mitarbeiter bei einer Versammlung | Bildquelle: REUTERS
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Ford-Mitarbeiter bei einer Versammlung mit Gewerkschafter nachdem das Unternehmen angekündigt hat, seine drei Werke in dem Land zu schließen.

Importe aus Argentinien und Uruguay

Brasilien sei wie ganz Südamerika ein schwieriger Markt gewesen, zitiert die US-Zeitung "Detroit News" Stephanie Brinley, Expertin beim Informationsdienstleister IHS Markit. Die Corona-Pandemie habe die Lage noch schwieriger gemacht. Die Anleger reagierten auf die Nachricht mit Aktienkäufen: Ford-Titel gewinnen rund zwei Prozent. Auch in den USA liegen die Aktien vor Handelsstart solide im Plus.    

Das regionale Hauptquartier in Sao Paulo will Ford nach eigenen Angaben behalten, auch der Kundenservice und die Vertriebsaktivitäten in Südamerikas größter Volkswirtschaft sollen erhalten bleiben. Die Fahrzeuge werden künftig vor allem aus Argentinien und Uruguay importiert.

2019 hatte Ford bereits sein mit mehr als 50 Jahren ältestes Werk in Brasilien in Sao Bernardo do Campo im Großraum Sao Paulo geschlossen. Ford war unter anderem auch vor Volkswagen der erste große Autobauer in Brasilien und feierte 2019 sein 100-jähriges Jubiläum in dem Land. Eine Stadt, Fordlândia im Bundesstaat Pará, ist benannt nach dem Konzerngründer Henry Ford. Ford verabschiedet sich damit aus dem zweiten Schwellenland: Erst vor einem Monat hatte der US-Hersteller seine Kooperation mit der indischen Mahindra and Mahindra abgesagt.

Eingang Fordwerk Sao Bernardo do Campo, Brasilien
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Der Eingang des Fordwerks Sao Bernardo do Campo, Brasilien. Es ist das älteste Werk in dem südamerikanischen Land und seit 2019 geschlossen.

Gewinnsprung im dritten Quartal

Auch in Deutschland hat Ford im Rahmen des Sparprogramms bis Ende 2020 rund 4.900 Arbeitsplätze abgebaut. Hierzulande arbeiten noch rund 20.000 Arbeitnehmer für Ford, vor allem in den Werken in Köln und in Saarlouis.     

Wie sich die Corona-Krise auf das Ergebnis des Gesamtjahres ausgewirkt hat, teilt der US-Konzern am 4. Februar mit, wenn das Management die Geschäftszahlen des vierten Quartals und die Jahreszahlen präsentiert.   

Im dritten Quartal hatte Ford den Gewinn kräftig gesteigert. Unterm Strich verdiente der Konzern in den drei Monaten bis Ende September 2,4 Milliarden Dollar (2,0 Milliarden Euro). Im Vorjahr waren es lediglich 400 Millionen. Der Umsatz stieg um ein Prozent auf 37,5 Milliarden Dollar.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2021 um 06:00 Uhr.

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