In Gemünd (NRW) sieht man Schutt und Geröll eines nach dem Hochwasser völlig zerstörten Hauses. | dpa

Wiederaufbau in NRW Welche Regeln für Fluthilfen gelten

Stand: 13.09.2021 16:14 Uhr

Für den Wiederaufbau in den Hochwassergebieten stehen Milliardenhilfen bereit. Nun hat Nordrhein-Westfalen Details bekanntgegeben, wie viel einzelnen Flutopfern zusteht und wie sie an das Geld kommen.

Von Tobias Reckmann, WDR

Nach der Flutkatastrophe haben Bund und Länder 30-Milliarden-Euro-Paket für den Wiederaufbau geschnürt. Auf Nordrhein-Westfalen entfallen davon bis zu 12,3 Milliarden Euro. Das Geld soll an betroffene Privatpersonen, Unternehmen und Forstbetriebe ausgezahlt werden. Außerdem soll damit die zerstörte Infrastruktur der Kommunen wiederaufgebaut werden.

Welche Kriterien und Regeln dafür gelten, hat das Land heute bekannt gegeben. Die Höhe der Aufbauhilfe werde im Regelfall 80 Prozent des entstandenen Schadens abdecken, teilte die Landesregierung mit. In Härtefällen könnten bis zu 100 Prozent der Schadensumme übernommen werden. Welche Kriterien für die Härtefall-Regelung gelten, blieb zunächst noch offen.

Pauschale für Hausratschäden

Für Schäden an ihrem Hausrat sollen Betroffene eine Pauschale beantragen können. Diese werde nach der Anzahl der gemeldeten Personen im Haushalt gestaffelt sein, sagte NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach von der CDU. Einem Ein-Personen-Haushalt stehen demnach 13.000 Euro zu, Mehrpersonenhaushalte erhalten eine höhere Pauschale. Für den Ehegatten oder Lebenspartner seien Hilfen von zusätzlich 8500 Euro geplant, für jede weitere in dem Haushalt zum Hochwasserzeitpunkt gemeldete Person gebe es zusätzlich 3500 Euro. Allerdings sei diese Aufbauhilfe nachrangig, betonte Scharrenbach. Versicherungsleistungen, Spenden und Soforthilfen für denselben Zweck würden abgezogen.

Von der Hochwasserkatastrophe betroffene Privatpersonen könnten die Aufbauhilfen zunächst schon ohne die notwendigen Dokumente beantragen und dann im Nachhinein die erforderlichen Unterlagen zusammenstellen. Dazu zählten auch Schreiben der Versicherungen über Leistungen oder die Ablehnung von Leistungen durch Versicherungen. Etwa jeder zweite Haushalt in NRW besitze keine Elementarschadenversicherung für Haus oder Wohnung, die etwa Schäden durch Hochwasser abdeckten, sagte Scharrenbach. In diesen Fällen sei die Begutachtung durch einen Sachverständigen zwingend. Dafür werde die Landesregierung die Adressen von bundesweit 4700 Sachverständigen zur Verfügung stellen.

Hotline für Fragen zum Wiederaufbau

Die Hilfsanträge können ab Freitag gestellt werden. Bereits ab Dienstag soll ein Servicetelefon die Fragen von Bürgern und Unternehmen beantworten. Die Hotline wird montags bis freitags von 08.00 bis 18.00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10.00 bis 16.00 Uhr unter 0211/4684-4994 erreichbar sein.

Über dieses Thema berichtete WDR Aktuell Nachrichten am 13. September 2021 um 17:00 Uhr.