Studie im Auftrag des Bundesfinanzministeriums Flugticketsteuer schreckte zwei Millionen Passagiere ab

Stand: 22.06.2012 15:46 Uhr

Ein Flugzeug startet vom Münchner Flughafen
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Zwei Millionen Fluggäste verzichteten offenbar darauf, von einem deutschen Flughafen aus zu verreisen.

Die seit 2011 geltende Abgabe auf Flugtickets hat offenbar einer Studie zufolge die Zahl der Fluggäste sinken lassen. Das "Handelsblatt" zitierte aus einem Gutachten im Auftrag des Bundesfinanzministeriums: "Ohne Einführung der Luftverkehr-Steuer wären rund zwei Millionen Passagiere mehr ab und nach Deutschland geflogen." Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte, an der Studie werde derzeit noch gearbeitet. Bis Ende des Monats müsse sie dem Parlament vorgelegt werden.

In der kommenden Woche werde die Bundesregierung über die Steuer auf Flugtickets beraten, kündigte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer an. Er kämpfe für "möglichst umfassende Korrekturen" bei der Abgabe, sagte er.

Die Bundesregierung hatte die Luftverkehr-Steuer zum 1. Januar 2011 für alle Flüge von deutschem Boden aus eingeführt. Die Abgabe beträgt zwischen 7,50 und gut 42 Euro pro Fluggast. Sie wird immer dann erhoben, wenn ein Passagier von einem inländischen Flughafen abfliegt.

Dennoch fünf Prozent mehr Fluggäste

Durch die Abgabe seien im vergangen Jahr rund 1.000 Arbeitsplätze weniger entstanden, berichtet die Zeitung. Die Kosten für Flüge seien um 2,3 Prozent gestiegen. Der Staat nahm dem Bericht zufolge 2011 durch die neue Steuer rund 961 Millionen Euro zusätzlich ein, in den ersten vier Monaten 2012 waren es laut Finanzministerium 265 Millionen Euro. Die Zahl der Fluggäste in Deutschland stieg 2011 im Vergleich zu 2010 dennoch um fünf Prozent auf 198,2 Millionen.

Die Fluggesellschaften mit Lufthansa und Air Berlin an der Spitze hatten heftig gegen die Steuer protestiert, weil sie den Wettbewerb zu ihren Lasten verzerre. Sie gehen sogar von fünf Millionen entgangenen Passagieren aus. Dem Zeitungsbericht zufolge weichen die Passagiere vor allem auf grenznahe Flughäfen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden aus. Vor allem das Low-Cost-Segment in der Branche leide unter der Steuer, da sie im Vergleich zu höheren Ticketpreisen zu einem stärkeren prozentualen Preisaufschlag führe, heißt es. Der Flughafenverband ADV hatte vielfach beklagt, die Abgabe gehe zu Lasten deutscher Billigflieger-Flughäfen, weil die Fluggesellschaften ihren Verkehr von dort zu ausländischen Airports verlagerten.

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