Ein Airbus A380 im Landeanflug auf den Internationalen Flughafen Dubai.  | Bildquelle: AFP

Studie zu Flugsicherheit Emirates top, Lufthansa rutscht ab

Stand: 02.01.2020 18:37 Uhr

Trotz des Boeing-Unglücks in Äthiopien war 2019 eines der sichersten Jahre für Flugpassagiere. Die sicherste Airline kam einer Studie zufolge vom Persischen Golf, die Lufthansa fiel zurück.

Die sicherste Fluggesellschaft der Welt war 2019 Experten zufolge die Golf-Airline Emirates. Mit einem Risikoindex von 95,48 Prozent liegt sie nur knapp vor Etihad Airways (95,21 Prozent). Das ergab das jährliche Sicherheitsranking des Hamburger Flugsicherheitsbüros JACDEC in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtmagazin "Aero International".

Vorjahressieger Finnair erreichte diesmal nur den vierten Platz, hinter der spanischen Air Europa. Weitere europäische Airlines in den Top 10 sind Norwegian Air Shuttle, Transavia aus den Niederlanden und die spanische Vueling.

Ein Vorfall bei Lufthansa

Bei den Fluglinien aus dem deutschsprachigen Raum erreichte die Lufthansa-Tochter Eurowings mit einem Risikoindex von 90,61 Prozent Rang 24. Für Swiss (Platz 51), Condor (52) und Austrian (65) reichte es nur für einen Platz im Mittelfeld.

Ein Vorfall bei der Lufthansa sorgte für ein Abrutschen der deutschen Fluglinie von Platz 21 im Vorjahr auf Rang 56. Grund war ein Missgeschick des Bodenpersonals am 30. Juli in Frankfurt, das eine mobile Fluggasttreppe ins Heck eines bereits mit Passagieren an Bord wartenden Verkehrsjets steuerte. Das Flugzeug wurde irreparabel beschädigt und landete daher als Totalschaden in der Bilanz.

Die JACDEC-Bewertung umfasst die 100 Fluglinien mit der weltweit größten Verkehrsleistung. Die Ergebnisse werden als Prozentzahl dargestellt, wobei sich die Werte von dem (nur theoretisch erreichbaren) Maximalwert von 100 Prozent abwärts orientieren. Die Bewertung beruht auf der Unfallhistorie der Fluglinie in den vergangenen 30 Jahren, der länderspezifischen Umgebung, in der sie operiert, sowie auf spezifischen Risiko-Faktoren der Fluglinien.

JACDEC rät dazu, sich eher nach dem Risikoindex als nach der genauen Platzierung in der Rangliste zu orientieren. Hier liegen die Airlines der deutschsprachigen Länder dicht beinander.

Fliegen wird immer sicherer

Insgesamt reduzierte sich die Zahl der 2019 bei Flugzeugunglücken getöteten Menschen gegenüber dem Vorjahr stark. Nach vorläufigen JACDEC-Zahlen starben 2019 bei Flugunfällen in der kommerziellen Luftfahrt weltweit 293 Menschen - 48 Prozent weniger als im Vorjahr (559).

Mehr als die Hälfte von ihnen wurden beim Absturz einer äthiopischen Boeing 737 MAX 8 am 10. März getötet, der 157 Menschen das Leben kostete. Gemessen an den Opferzahlen gilt 2019 damit als drittsicherstes Jahr in der Geschichte der kommerziellen Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg. Nur 2013 sowie im Ausnahmejahr 2017, in dem 40 Menschen im Luftverkehr starben, gab es weniger Unfalltote.

Boeing-Debakel trägt zur Reduzierung bei

"Die starke Reduzierung der Unfalltoten bezogen auf 2018 ist - auf die Gefahr hin makaber zu klingen - der Tatsache geschuldet, dass im März das Grounding der 737 MAX erfolgte", erklärte JACDEC-Leiter Jan-Arwed Richter. Ein weiterer Betrieb dieses Typs hätte "mit großer Wahrscheinlichkeit" zu einem weiteren Unglück geführt.

Nach der Analyse des Flugsicherheitsbüros für "Aero International" pendelte sich die Opferzahl im Schnitt der vergangenen zehn Jahre auf 484 Tote ein - in den zehn Jahren davor lag der Mittelwert noch bei 876.

JACDEC registriert und analysiert seit rund drei Jahrzehnten die Unfälle und schweren Zwischenfälle der Zivilluftfahrt. Erfasst werden dabei alle Flugzeuge mit mehr als 5,7 Tonnen Gewicht oder mehr als 19 Sitzen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Januar 2020 um 18:18 Uhr.

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