Lange Warteschlangen im Düsseldorfer Flughafen | dpa

Flughafenverband ADV Entspannung an Flughäfen erst im Oktober

Stand: 20.07.2022 10:33 Uhr

Das Chaos an deutschen Flughäfen wird laut Flughafenverband noch Monate anhalten. Mit einer Verbesserung der Lage sei erst im Oktober zu rechnen. Die SPD fordert die Rückker zu staatlichen Sicherheitskontrollen.

Lange Wartezeiten, fehlendes Gepäck: Mit einer Entspannung des Personalmangels und den daraus resultierenden Problemen an deutschen Flughäfen ist nach Angaben des Flughafenverbands ADV vorerst nicht zu rechnen. "Die aktuellen Bedingungen entsprechen nicht unseren Ansprüchen", sagte der Hauptgeschäftsführer des ADV, Ralph Beisel, der "Welt". Mit einer Verbesserung sei erst im Oktober zu rechnen - auch weil bisher nicht wie erhofft vermehrt Anträge für zeitlich befristete Mitarbeiter aus der Türkei eingegangen seien.

Anträge für Zuverlässigkeitsüberprüfung liegen nicht vor

Insbesondere um die durch den Personalmangel betroffene Gepäckverladung an deutschen Flughäfen zu stabilisieren, sollten bis zu 2000 Mitarbeiter aus der Türkei befristet angestellt werden. Für die Arbeit an Flughäfen ist jedoch eine sogenannte Zuverlässigkeitsüberprüfung notwendig. Die entsprechenden Anträge aus der Türkei lägen jedoch noch nicht vor, wie verschiedene zuständige Behörden der "Welt" bestätigten.

"Nach derzeitigem Stand liegen hier keine Anträge zu potenziellen Mitarbeitern aus der Türkei vor", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt. Auch für die Flughäfen in Berlin, Düsseldorf und München gebe es bisher keine entsprechenden Anträge, berichtete die "Welt" weiter.

Eine Absage erteilten die Behörden auch den Forderungen der Luftfahrtbranche, die Zuverlässigkeitsprüfungen angesichts des Personalmangels an den Flughäfen zu beschleunigen. "Vereinfachungen beziehungsweise Abschichtungen bei der Zuverlässigkeitsüberprüfung sind grundsätzlich nicht möglich", sagte eine Sprecherin der Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg. Auch eine pauschalisierte Anerkennung der Anträge ausländischer Mitarbeiter sei nicht möglich.

SPD fordert staatliche Sicherheitskontrollen

Die SPD forderte als Konsequenz aus den teils chaotischen Zuständen an deutschen Flughäfen, die Sicherheitskontrollen wieder unter staatliche Hoheit zu stellen. Zanda Martens, SPD-Berichterstatterin für Fluggastrechte im Rechtsausschuss des Bundestages, sagte dem "Handelsblatt", "das Experiment, mit dem vor Jahrzehnten hoheitliche Luftsicherheitsaufgaben in private Hände gelegt wurden, ist endgültig gescheitert." Die Luftsicherheitsaufgaben sollten daher in die öffentliche Hand zurückgeführt werden.

Martens schlug dabei den Flughafen Düsseldorf als bundesweites Modellprojekt für eine Rückführung der Luftsicherheitsaufgaben vor. "Mittelfristig muss das Modellprojekt zeigen, dass der Bund seine Aufgaben im Bereich der Luftsicherheit nicht an private Dienstleister auslagern, sondern die Verantwortung und Kontrolle über die Arbeitsbedingungen, reibungslose Betriebsabläufe und effektive Terrorabwehr behalten muss."

Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Hartmann plädierte im "Handelsblatt" dafür, sich am Flughafen München zu orientieren. Dort werden die Kontrollen von einer Luftsicherheitsgesellschaft organisiert, an der der Freistaat 51 Prozent der Anteile hält. "Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die Sicherheitskontrollen an deutschen Flughäfen wieder in staatliche Hand kommen, entsprechend dem Münchener Modell", sagte Hartmann. Die Union habe das jahrelang blockiert. 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Juli 2022 um 10:00 Uhr.