Ein Flugzeug mit Kondensstreifen am blauen Himmel  | Bildquelle: dpa

Vor den Osterferien Flugausfälle und Verspätungen erwartet

Stand: 13.04.2019 09:07 Uhr

Wer über Ostern in den Süden fliegen will, muss sich an den Flughäfen auf massive Verspätungen und Flugausfälle einstellen. Viele der Probleme aus dem vergangenen Jahr sind längst nicht gelöst.

Von Johannes Zuber, WDR

In gleich acht Bundesländern beginnen heute die Osterferien, darunter in NRW, Hessen und Bayern. Für das erste Ferienwochenende erwarten die drei größten Flughäfen Deutschlands einen Ansturm von Reisenden: Der Flughafen Frankfurt am Main rechnet mit mehr als 200.000 Fluggästen pro Tag, München geht von 150.000 aus und Düsseldorf von 80.000. Und vieles spricht dafür, dass es zu massiven Problemen kommen wird und viele Reisende unfreiwillig am Boden bleiben oder erst mit großer Verspätung am Reiseziel ankommen. Also ähnlich wie im vergangenen Jahr.

2018 war ein Jahr der Flugausfälle und Verspätungen. Die durchschnittliche Verspätung lag nach Angaben des Branchenverbands BDL bei knapp 15 Minuten, jeder 50. Flug fiel komplett aus. Beides ist eine deutliche Steigerung zum Vorjahr: 2017 lag die durchschnittliche Verspätung bei gut zwölf Minuten und jeder 75. Flug fiel aus. Bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) sind mehr als doppelt so viele Beschwerden eingegangen wie im Vorjahr.

Fehlendes Personal in allen Bereichen

Gründe dafür gab es viele. Zu häufigen Gewittern und Fluglotsenstreiks unter anderem in Frankreich kam die Pleite der Fluglinie Air Berlin. 140 Flugzeuge samt Crew mussten in andere Airlines integriert werden. Und das klappte alles andere als reibungslos.

Das Hauptproblem aber waren die steigenden Passagierzahlen, auf die weder Fluglinien noch Flughäfen, Flugsicherung und Bundespolizei ausreichend vorbereitet waren. Deshalb kam es auf jedem Abschnitt einer Flugreise zu Verzögerungen. Im Überblick:

Start: An den großen Flughäfen ist die Bundespolizei für die Personen- und Gepäckkontrollen zuständig, an den kleineren die Bundesländer. Beide lagern die Sicherheitskontrollen an private Unternehmen aus. Und weil entweder die Auftraggeber zu wenig Personal eingeplant haben oder die privaten Unternehmen zu wenige Mitarbeiter zur Verfügung hatten, verpassten viele Passagiere ihren Flug. Die Probleme führten auch zu Verspätungen, weil das aufgegebene Gepäck der festsitzenden Fluggäste wieder ausgeladen werden musste, was im Schnitt knapp zehn Minuten dauert.

Flug: Bei der Deutschen Flugsicherung fehlen Lotsen. Und da jeder Flug von zwei Lotsen begleitet werden muss, kommt es wegen des Personalmangels zu Engpässen. Der Bedarf an Lotsen wird jeweils für fünf Jahre im Voraus geschätzt. Und diesmal lag die Schätzung deutlich zu niedrig. Zudem lassen sich kaum geeignete Kandidaten finden, um kurzfristig mehr Lotsen einzustellen.

Landung: Die Flughäfen haben zu wenig Personal vorgehalten, um den Betrieb am Boden reibungslos abzuwickeln. Und so standen selbst pünktlich gelandete Flugzeuge teilweise lange herum, bis endlich eine Treppe kam. Oder die Passagiere mussten auf ihre Koffer warten, weil nicht genug Bodenpersonal da war, um das Gepäck rechtzeitig auszuladen.

Fluggäste warten am Flughafen in Frankfurt am Main darauf, in ihren Flieger eingelassen zu werden. | Bildquelle: dpa
galerie

Immer mehr Passagiere, aber nicht mehr Personal.

Gegenmaßnahmen beschlossen

Um all diese Probleme abzustellen, einigten sich Unternehmen und Politik beim Luftfahrt-Gipfel im Oktober auf 25 Maßnahmen. Bei der Zwischenbilanz im März sahen sich die Unternehmen auf einem guten Weg: Die Fluglinien halten inzwischen mehr Ersatzflugzeuge vor, um Ausfälle schneller kompensieren zu können. Sie haben mehr Personal eingestellt und ihre Flugpläne entzerrt, um kleinere Verzögerungen abzufedern. Zudem sind die Flugzeuge mit mehr Kerosin an Bord unterwegs, um Verspätungen beim Start durch eine höhere Fluggeschwindigkeit ausgleichen zu können. Die Flughäfen haben nach Angaben des BDL mehr Bodenpersonal eingestellt und zusätzliche Flächen für die Sicherheitskontrollen zur Verfügung gestellt. Die Flugsicherung lässt Inlandsflüge tiefer fliegen, um den engen Luftraum in der Höhe zu entlasten.

Reisende müssen sich auf Wartezeiten einstellen

Das Problem: All diesen Maßnahmen stehen weiter steigende Fluggastzahlen entgegen. Nach Einschätzung des BDL, der SÖP und des Fluggastrechte-Unternehmens EUClaim wird es deshalb auch in diesem Jahr wieder zu massiven Verzögerungen und Flugausfällen kommen.

Der Flughafen Frankfurt am Main rät Reisenden deshalb, möglichst online einzuchecken, um die Schlangen am Schalter zu umgehen. Außerdem sollten Fluggäste möglichst früh anreisen: spätestens zweieinhalb Stunden vor Abflug am Flughafen sein, direkt das Gepäck aufgeben und zur Sicherheitskontrolle. Um die Sicherheitskontrolle nicht unnötig in die Länge zu ziehen, sollte nur das ins Handgepäck, was man unbedingt für den Flug braucht. Flüssigkeiten und Elektrogeräte sollten so gepackt werden, dass sie sofort griffbereit sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2019 um 13:40 Uhr.

Darstellung: