Bundesministerium der Finanzen | ARD-aktuell / Kruse

Deutscher Fiskus Steuereinnahmen steigen auch im April

Stand: 20.05.2022 09:16 Uhr

Trotz des Krieges in der Ukraine sind die Steuereinnahmen von Bund und Ländern im April weiter deutlich gestiegen. Allerdings warnt das Finanzministerium vor den Auswirkungen der weltweiten Krisen auf den Fiskus.

Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern sind im April kräftig gestiegen - allerdings langsamer als in den Vormonaten. Laut dem Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums sind die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine im Steueraufkommen noch nicht sichtbar.

Die Einnahmen lagen bei fast 57 Milliarden Euro und damit um 9,9 Prozent höher als im April des vergangenen Jahres. Für die ersten vier Monate des Jahres 2022 bedeutet das einen Anstieg um 16,2 Prozent auf ein Steueraufkommen von fast 260 Milliarden Euro. Die Umsatzsteuer-Einnahmen stiegen dabei mit einem Zuwachs von einem Drittel deutlich mehr als jene aus der Lohnsteuer, die um knapp 10 Prozent stiegen.

Ausblick bis Mitte des Jahres getrübt

Den Sprung in den Einnahmen erklärt das Ministerium mit der durch die Corona-Pandemie noch besonders geschwächte wirtschaftliche Lage im Vorjahr. Dies hätte nun zu den spürbaren Zuwachsraten geführt.

Allerdings warnt das Ministerium für die kommenden Monate vor erheblichen Risiken. Besonders bis Mitte des Jahres könne nur von einer verhaltenen konjunkturellen Entwicklung ausgegangen werden. Der Krieg in der Ukraine und die andauernde Pandemie würden den Ausblick trüben.

Aber auch die weiter ungewisse Situation in China und die daraus resultierenden Störungen der Lieferketten prägten die Prognosen stark. "Verschärfte Materialengpässe, weiter erhöhter Preisdruck, die derzeit hohe (globale) Unsicherheit sowie Folgen der Lockdowns in China dürften sich spürbar bemerkbar machen", warnt das Ministerium.

Ab Juli könne aber davon ausgegangen werden, dass es weniger Engpässe in den Lieferketten und in Deutschland keine zusätzlichen wirtschaftlichen Belastungen durch den Krieg geben werde. Das Ministerium rechne dann mit einer spürbaren konjunkturellen Aufwärtsbewegung.

Konjunktur-Prognose sinkt

Für das Gesamtjahr senkt die Bundesregierung ihre Prognose. Im Januar erwartete sie noch ein Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent für 2022. Mittlerweile sieht sie ein Wachstum von nur noch 2,2 Prozent.

Allerdings könnten die Steuereinnahmen höher sein als noch vergangenes Jahr gedacht. Der Arbeitskreis Steuerschätzung rechnet bis 2026 mit zusätzlichen Einnahmen für den Fiskus von 220 Milliarden Euro.

Trotzdem plant der Bund für das laufende Jahr die zweithöchste Neuverschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Haushaltsentwurf für 2022 sehe eine Nettokreditaufnahme von 138,94 Milliarden Euro vor. Grund dafür seien die Folgen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Mai 2022 um 20:00 Uhr.