Plakate zur Abstimmung des Fiskalpakts in Irland

Irland stimmt über EU-Fiskalpakt ab Stille Stunden im Dubliner Wahllokal

Stand: 31.05.2012 17:22 Uhr

In Irland läuft seit dem Morgen die Abstimmung über den EU-Fiskalpakt. Das Ergebnis wird zwar in der EU mit Spannung erwartet - doch die Iren interessieren sich offenbar deutlich weniger für das Referendum. Und so fällt der Andrang in den Wahllokalen sehr übersichtlich aus.

Von Stephan Lochner, SWR-Hörfunkstudio London, zzt. Dublin

Gähnende Leere auf dem Gelände des Department of Education and Skills, des irischen Bildungsministeriums, mitten in Dublin. Eines der Gebäude dient als Wahllokal - doch von Volksabstimmung ist kaum etwas zu spüren.

Die Wahlberechtigten tröpfeln nur langsam ein - gerade ein halbes Dutzend in der Mittagsstunde zwischen zwölf und eins. Ein Polizist steht sich im Nieselregen die Beine in den Bauch - vor der Tür des Wahllokals wartet ein italienischer Zeitungsreporter hibbelig darauf, dass mal wieder jemand von der Stimmabgabe kommt. Dann ist es endlich soweit.

Schwache Beteiligung bei Volksabstimmung in Irland
S. Lochner, SWR London
31.05.2012 17:43 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Jemand muss der Regierung auf die Finger gucken!"

"Ich habe für den Vertrag gestimmt", meint ein Mann, der einen dunkelblauen Anzug trägt und sich als Rechtsanwalt vorstellt. Ein Ja sei wichtig für Irland und seine wirtschaftliche Erholung: "Es ist wichtig, dass Irland Teil der EU bleibt und die Sicherheit hat, Zugang zum Europäischen Stabilitätsmechanismus zu haben, falls das noch mal nötig wird!"

Der nächste Wähler, ein junger Mann Mitte 30, der als Buchhalter arbeitet, sieht es ähnlich: "Wir müssen unsere Haushaltsprobleme in den Griff bekommen." Leider habe er nicht den Eindruck, dass die Regierung dazu in der Lage ist. "Daher ist es gut, wenn ihr jemand auf die Finger guckt" meint er. "Außerdem wird ein Ja es uns deutlich erleichtern, an weiteres Geld zu kommen."

Der Wahlleiter mault über die Wahlbeteiligung

Abstimmung über Fiskalpakts in Irland
galerie

Wähler vor einem Wahllokal im Norden Dublins: Nur wenige Iren nehmen an dem Referendum teil.

Wieder vergeht viel Zeit, bis jemand ins Wahllokal kommt. Zwischendrin geht der örtliche Wahlleiter in die Mittagspause. Ins Mikrofon will er nicht sprechen - murmelt aber im Vorbeigehen, dass die Wahlbeteiligung lächerlich sei.

"Ich habe mit Nein gestimmt", sagt ein leicht untersetzter älterer Herr, der im Jogginganzug zur Stimmabgabe humpelt. "Die Regierung zieht uns da in was rein, was sie nicht mal erklärt. Ich weiß nur, das Leben wird für mich immer teurer!"

Je wohlhabender, desto wahrscheinlicher ist ein Ja

Die kurzen Eindrücke am Wahllokal in Zentral-Dublin scheinen zu bestätigen, was Wahlforscher vorhergesagt haben. Vielen Iren steht ins Gesicht geschrieben, wo sie ihr Kreuzchen machen. Die Faustregel: je größer der Wohlstand, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit Ja stimmt. Je größer die Armut, desto wahrscheinlicher ein Nein.

"Wegen der radikalen Sparpolitik ist alles sehr schwierig geworden in Irland", meint ein Mann, der nicht sagen will,  wie er abgestimmt hat - es dann aber doch tut. Speziell für die Arbeitslosen sei es schwierig. "Ich kann es aus eigener Erfahrung berichten", sagt er. Die ganz einfachen Dinge seien viel teurer geworden, gleichzeitig sei die Sozialhilfe zusammengeschrumpft worden: "Am Ende des Monats bekommen wir den finanziellen Druck immer enorm zu spüren!"

Iren entscheiden über EU-Fiskalpakt
tagesthemen 21:20 Uhr, 31.05.2012, Frank Jahn, ARD London

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Die Tendenz geht zum Ja

In den letzten Umfragen vor der Volksabstimmung zeichnete sich ein Ja der Iren zum europäischen Fiskalpakt ab. Doch wegen der großen Zahl an Wahlberechtigten, die bis zum Schluss unentschlossen waren, bleibt das Ergebnis unsicher.

Sagen die Iren Nein, würde das zwar den Vertrag als Ganzes nicht gefährden. Er tritt in Kraft, sobald ihn zwölf Teilnehmerstaaten ratifiziert haben - mit oder ohne die Iren. Dennoch hätte eine Ablehnung vor allem für Irland selbst Konsequenzen. Ein Nein würde wohl als Votum gegen den Euro gewertet werden - was multinationale Konzerne abschrecken könnte, die Irland bisher als Brückenkopf in die Europäische Union betrachten.

Die Wahllokale schließen am späten Abend. Mit Ergebnissen ist erst Morgen zu rechnen.

Darstellung: