Fischfang in der Ostsee | picture alliance / Stefan Sauer/

Gefährdete Bestände "Fisch nur zu besonderen Gelegenheiten"

Stand: 20.08.2019 14:29 Uhr

Klimawandel, Überfischung, bedrohte Bestände: Anlässlich des Fischereitages spricht Greenpeace-Experte Maack von einer "historischen Krise" der Meere - und appelliert auch an die Verbraucher.

Welche Folgen hat der Klimawandel für die Meere? Beim Deutschen Fischereitag in Magdeburg soll es auch um diese Frage gehen - so sind etwa die Hering-Bestände in der Ostsee in den vergangenen Jahren teils drastisch gesunken. Im Interview mit tagesschau24 spricht der Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack von einer "historischen Krise" der Meere. Es gebe einen "rasanten Artenverlust", so der Biologe. Jeder müsse sich fragen: "Geht das immer so weiter oder müssen wir einfach anfangen, weniger Fisch zu essen?"

Erst vor wenigen Tagen hatte das Fisch-Informationszentrum (FIZ) in Hamburg mitgeteilt, dass der Pro-Kopf-Verzehr sich in Deutschland nach vorläufigen Schätzungen im vergangenen Jahr von 14,1 auf 14,4 Kilogramm erhöht habe. Der Zuwachs der Nachfrage gehe dabei im Wesentlichen auf den den Verkauf in Restaurants oder Fischimbissen zurück. Die von privaten Haushalten gekaufte Menge an Fisch und Meeresfrüchten sank dagegen um drei Prozent.

Allerdings gaben die Haushalte mit 3,9 Milliarden Euro mehr Geld für Fisch aus als je zuvor - eine Steigerung von 0,2 Prozent. Die Branche rechnet in diesem Jahr mit einem weiteren Anstieg. Im internationalen Vergleich verzehren die Menschen in Deutschland trotzdem eher wenig Fisch: Der Weltdurchschnitt liegt mit 19,3 Kilogramm pro Kopf um rund fünf Kilogramm höher.

Schutzgebiete ohne Fischerei

Um Artenverlust und Überfischung entgegenzuwirken, sieht Greenpeace-Experte Maack Verbraucher, Fischindustrie und Politik in der Pflicht. "Wir Verbraucher können eine ganz klare Entscheidung treffen und sagen, wir essen Fisch nur zu besonderen Gelegenheiten als Delikatesse." Die Politik wiederum müsse dringend umsetzen, dass es in den Meeren Schutzgebiete ohne Fischerei gebe. Innerhalb derer könnten sich die Fischbestände wieder aufbauen, es könnte sich aber auch die Meeresnatur erholen - "und die ist dann wesentlich widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels."

Maack betont aber auch, dass die Fischer die Schuld etwa für den Rückgang bestimmter Arten in der Ostsee nicht immer allein beim Klimawandel suchen dürften. Über Jahrzehnte sei die Quote viel zu hoch festgesetzt worden. "Es wurde auf Teufel komm raus so viel aus der Ostsee rausgeholt, wie es ging. Und das sind die Effekte."

Bestände ziehen Richtung Norden

Auf dem Fischereitag beschrieben Verbandsvertreter neben den Problemen auch einige positive Aspekte des Klimawandels auf die Fischerei. So seien einige wärmeliebende Fische vermehrt in der Nordsee anzutreffen, sagte der Verbandschef der Deutschen Hochseefischerei, Uwe Richter. Als Beispiel nannte er Sardinen oder den Thunfisch. Vermehrten sich die Bestände dort weiter, könnten sie zeitnah kommerziell befischt werden. In den nördlichen Breiten sorge der Klimawandel dafür, dass die Bestände von Makrele und Kabeljau mehr hergäben.

Das sieht Biologe Maack kritischer. Weil die Kabeljaubestände immer weiter Richtung Norden zögen, sei der Fisch in der südlichen Nordsee kaum noch vorhanden, sagt er. "Irgendwann ist der Planet vorbei, dann geht es nicht mehr weiter. Und dann brechen auch diese Fischbestände zusammen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. August 2019 um 11:00 Uhr.