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Finanzstabilitätsbericht Bundesbank befürchtet Pleitewelle

Stand: 13.10.2020 13:30 Uhr

Das deutsche Finanzsystem ist bisher stabil durch die Corona-Krise gekommen. Nun warnt die Bundesbank aber vor den Folgen einer drohenden Insolvenzwelle. Banken sollten sich darauf vorbereiten.

Die Bundesbank hat die Banken in Deutschland aufgefordert, sich auf eine mögliche Insolvenzwelle und steigende Kreditausfälle infolge der Corona-Pandemie vorzubereiten. "Im gesamten Unternehmenssektor könnten die Insolvenzen in den ersten Monaten des Jahres 2021 auf über 6000 pro Quartal steigen", sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts. Das wäre ein Anstieg um mehr als 35 Prozent.

Hohe Insolvenzzahl könnte Kreditvergabe bremsen

Ein solches Szenario sei für die Kreditinstitute verkraftbar. Die Bundesbank hält aber auch einen wesentlich stärkeren Anstieg der Unternehmensinsolvenzen und Kreditausfälle für möglich. Als Reaktion könnten die Banken die Kreditvergabe einschränken, um die erforderlichen Eigenkapitalquoten vorweisen zu können. Das könne letztlich dazu führen, dass die wirtschaftliche Erholung gebremst werde oder sich ein Einbruch der Wirtschaftsleistung verschärfe.

"Banken sollten ihre Kapitalpuffer nutzen, um Verluste aufzufangen und die Wirtschaft weiter angemessen mit Krediten zu versorgen", forderte Buch. "Sie sollten gleichzeitig die Ausschüttung von Gewinnen begrenzen."

"Finanzsystem stabil"

Die Bundesbank erläuterte, worin sie den Schlüssel zu einer guten Vorbereitung auf steigende Insolvenzzahlen sieht: Banken, Politik und Verwaltung sollten "ausreichende administrative Kapazitäten" schaffen, erfahrenes Personal bereitstellen und die Vereinfachung von Insolvenzverfahren prüfen.

Nach Einschätzung der Bundesbank hat das Finanzsystem die Auswirkungen der Pandemie bisher gut verkraftet. "Das deutsche Finanzsystem hat sich als stabil erwiesen", sagte Buch. Mittelfristig dürften die bestehenden Verwundbarkeiten aber zunehmen, warnte sie. Die weiterhin niedrigen Zinsen könnten dazu führen, dass Marktteilnehmer auf der Suche nach Rendite höhere Risiken eingehen. "Diesen Aufbau von Risiken müssen wir weiter im Blick behalten", sagte sie.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Oktober 2020 um 11:30 Uhr in der Wirtschaft.

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