Euroscheine mit Pflaster

Gipfel zur Finanzkrise Briten als Vorbild der Euro-Gruppe?

Stand: 12.10.2008 18:00 Uhr

Das Ziel ist klar: Ein gemeinsames Vorgehen der Euro-Staaten gegen die Finanzmarktkrise. In diesem Rahmen soll dann jedes Land für sich Krisenintervention betreiben. Als Vorbild - auch für das deutsche Hilfspaket - gilt Großbritannien.

Von Claudia Deeg, SWR-Hörfunkstudio Brüssel

"Vertrauen schaffen! Das entscheidende Wochenende gegen die Finanzkrise" - so titelt eine französische Sonntagszeitung. Die Finanzwelt blickt mit hohen Erwartungen nach Paris. Die 15 Euro-Länder sind am späten Nachmittag im Elysée-Palast zusammengekommen, um über einen Aktionsplan zu beraten. Sie wollen ihre Maßnahmen eng abstimmen, die dann aber national umgesetzt werden sollen.

Michael Strempel zum Finanzgipfel in Paris
wochenspiegel 12:45 Uhr, 12.10.2008

Großbritannien will überzeugen

Ein Beispiel könnte das Vorgehen in Großbritannien sein, sagt Christian de Boissieu, Wirtschaftsberater der französischen Regierung. "Die Kreditvergabe zwischen den Banken muss wieder angeschoben werden. Wir werden uns genau ansehen, was Gordon Brown gemacht hat. Nicht nur, dass der Staat bei Banken direkt einsteigt, sondern er gibt auch Garantien für Geschäfte zwischen den Banken. Denn die geben sich wegen mangelnder Transparenz keine Kredite mehr."

Der britische Premierminister Gordon Brown wird vor dem Krisentreffen der Euro-Gruppe von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Elysée empfangen. Der Brite spricht von der Stunde der Wahrheit und reist selbstbewusst nach Paris. "Ich will die anderen europäischen Länder überzeugen, den gleichen umfassenden Ansatz zu wählen, den wir angewendet haben", erklärte er in einer Zeitung.

Merkel: Hilfe, aber keine Verstaatlichung 

Merkel und Sarkozy in Paris
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Die französische und die deutsche Position für den Euro-Gruppengipfel stimmten Merkel und Sarkozy bereits gestern ab.

Tatsächlich scheinen sich andere an dem Vorgehen zu orientieren, darunter die Bundesregierung. Auch wenn die Kanzlerin nicht von einer Verstaatlichung der Banken sprechen will. Angela Merkel erklärte gestern nach einem Treffen mit Sarkozy: "Es geht darum, die Banken mit ausreichend Kapital zu versorgen, so dass sie selbstbewusst agieren können. Ich schließe nicht aus, dass es da Kapitalstützungen gibt." Das sei aber letztendlich nichts anderes, als wenn sich Firmen auch sonst auf dem Markt Kredite besorgten.

Merkel wirbt um Verständnis für milliardenschwere Hilfsmaßnahmen. Nur ein Handeln des Staates könne jetzt das notwendige Vertrauen zurückbringen, sagte sie gegenüber der "Bild am Sonntag". Die Bundesregierung will offenbar im Eilverfahren ein umfassendes Stabilisierungspaket für deutsche Banken auf den Weg bringen - in dreistelliger Milliardenhöhe.

Sarkozy arbeitet eifrig an Lösungen

Auch in Paris kommt die Regierung morgen zu einer Sondersitzung zusammen. Koordiniertes Abstimmen, europa- und weltweit, daran arbeitet Sarkozy fieberhaft. Ausführlich sprach er mit dem Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, darüber. Der sagte bei der IWF-Jahrestagung: "Ich plädiere seit Monaten für eine bessere Koordination zwischen den Ländern. Wenn jeder was anderes macht, sorgt das für eine Kakophonie und macht nur noch mehr Probleme."

Der IWF-Chef redete damit aus dem fernen Washington noch einmal allen ins Gewissen - auch den Euro-Ländern, von denen heute konkrete Maßnahmen erwartet werden. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde sagte: "Ich versichere Ihnen, dass Sie von dem Treffen nicht enttäuscht sein werden."

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